Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 5-6 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Mensch ging in Gegenwart von Zeugen und Bürgen auf den traurigen Vertrag ein. Der alte Jude war über das gute Geschäft sehr erfreut, da er nun, wie er alles Ernstes dachte, der Last seiner Sünden ledig wäre; während der junge Mann darüber triumphirte, daß er eine solche Gelegenheit gefunden hätte, seinen Unglauben öffentlich an den Tag zu legen; denn daß er den Handel nicht um des Geldes willen gemacht hatte, bewies er bald: er gab die betreffende Summe einem Armen. Am zweiten Tage darauf jedoch wurde er krank. Der Arzt, welchen man herbeirief, konnte die Ursache der Krankheit nicht entdecken; es war eben auch nicht eine Krankheit des Leibes, sondern der Seele. Endlich erfuhr der Arzt von dem Vertrage zwischen dem alten Juden und dem Patienten. Man rief deshalb den Alten herbei, man drang in ihn, das sündliche Geschäft rückgängig zu machen und so den jungen Mann von seinen Leiden zu befreien; man bot ihm, wenn er sich hierzu willig finden ließe, 1000 Rubel — der Alte wies es zurück — und der unglückliche Sündcnbock erlag seinen Leiden, erlag der Last der Sünde; am dritten Tage hauchte er seine Seele aus. So erzählt Miss. Jfland. Wer trägt unsere Schuld? „Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllt, daß er danach thue." 5. Mose 27, 26. „Kann doch ein Bruder Niemand erlösen, noch Gott Jemand versöhnen; denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlösen, daß er es muß lassen anstehn ewiglich." Psalm 49, 8. 9. Wer trägt also unsere Schuld? Der Prophet Jesaia ruft Israel zu dem Knechte Gottes und predigt ihm von demselben: „Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerisien, da er um die Miffethat meines Volkes geplagt war." Jesaia 53, 8. Mit seinem Volke schmerzlich sich zusammenschließend aber muß er Angesichts dieses Lammes Gottes fragen: (53, 1) „Wer glaubt unserer Predigt? und wem wird der Arm des Herrn offenbar?" Und doch bußfertigen Herzens sieht er zuletzt die Kinder Israel herbeikommen, bekennen und sprechen: (53, 4. 5) „Fürwahr, Er trug unsere Krankheit und lud auf