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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 5-6 (1879) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
5-6 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 Lebenslagen ein. Auf seinem Sterbebette bekannte er noch: „Ein Jude werde ich nimmermehr. Ich glaube an Jesum Christum, den auserwählten, köstlichen Eckstein, der in Zion gelegt ist. Ich wünschte, daß mich alle Geistlichen, einer nach dem andern besuchen möchten, um mein Glaubens-Bekenntniß zu hören, auf das ich leben und sterben will. Darum sähe ich es auch gern, daß ich öffentlich begraben würde, damit Jedermann nach meinem Tode erkennen möge, daß ich als ein aufrichtiger Christ gestorben bin." Er war sehr arm, aber seine Armuth machte ihm wenig Noth. Dafür lebte er desto mehr im Worte Gottes. Seine hebräische und deutsche Bibel trug er immer bei sich; besonders lieb waren ihm die Psalmen. Bei seinem Tode waren seine Frau und 4 Kinder abwesend; dieselben scheinen im letzten Lebensjahre Darmstädters auswärts ihren Lebensunterhalt gesucht zu haben. Er selbst erreichte ein Alter von 57 Jahren. Als man ihn eines Morgens entschlummert in seinem Bette antraf, fand man noch in seinen erstarrten Händen das Psalmenbuch aufgeschlagen. Den 17. Psalm hatte er zuletzt gelesen, als er aus der Zeit in die Ewigkeit gerufen wurde. Diesem Psalm entnahm denn auch Prediger Hornung seinen Leichentext. „Ich will schauen Dein Antlitz in Gerechtigkeit", über diese Worte wurde an seinem Grabe gepredigt. Das Evangelische Kirchen-Kollegium hat ihn auf eigene Kosten feierlichst beerdigen lassen; es wollte an seinem Theile damit bekunden, daß dieser Proselyt als ein wahrer Christ gelebt hatte und gestorben war. Wer trägt unsere Schuld? Ein junger polnischer Jude behauptete in einem Gespräche mit anderen seiner Glaubensgenossen, daß jenes Ding, das man Sünde nenne, gar nicht existire, und die gebildete Welt es längst aus ihrem Lexikon gestrichen habe. Ein alter mitanwesender Jude bot dem jungen leichtsinnigen Manne 25 Rubel unter der Bedingung, daß ihm der letztere seine Hand geben und versichern wolle, er werde seine Sünde aus sich nehmen. Der thörichte junge

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