Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 5-6 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Der junge Mann aber Hatte indeß mit den Seinen bereits schon zu sehr gebrochen, und andererseits glaubte er dem Pfarrer gegenüber nicht mehr zurück zu können, kurz, er ließ sich in Podiebrad von den Katholiken taufen und erhielt hierbei den Namen Schtiasni oder Felix. Nach der Taufe lebte er als ein Schlächter, hatte aber keinen Frieden im Herzen. Einmal beichtete er einem Jesuiten in Prag, daß er nicht überzeugt sei, wurde von demselben hierfür jedoch nur gestraft. Da fing er an seinen Schritt zu bereuen und beschloß nun, in die Ferne zu ziehen. Er bat die Jesuiten, ihn nach Wien zu senden, und diese gewährten ihm seinen Wunsch, denn sie schickten ihn mit drei anderen Proselhten nach der österreichischen Hauptstadt. Zwei seiner Reisegefährten aber waren üble Menschen und lästerten unterwegs über das Christenthum. Selig konnte nicht mit einstimmen und verließ sie deshalb mit dem dritten, der ihm lieb geworden war, Mosche. Mit diesem wanderte er nun hin und her. Unterwegs besuchte er alle katholischen Kirchen, aber nirgends fand er, was ihm Ruhe brachte. Da beschloß er wieder Jude zu werden, ging nach Fürth und trat dort auch als Jude auf. Den verlorenen Frieden fand Selig jedoch nicht. In Fürth verrieth er sich deshalb bald und mußte weiter wandern. So kam er nach Binswangen. Hier gewann er zuerst das Vertrauen der Juden und wurde von ihnen als Vorsänger angestellt. Aber die Gewissensnoth hörte nicht auf, und wieder kam es zum Bruche mit seinen früheren Glaubensgenossen. Da lernte er einen lutherischen Geistlichen kennen, der fand einen anderen Ton für sein Herz, und so beschloß Selig nun die lutherische Kirche näher kennen zu lernen. Er wandte sich also nach Weikersheim im Hohenlohefchen, jetzt zum Königreich Würtemberg gehörig. Hier besuchte er alsbald die Kirche und wurde von der Predigt des Hvsprediger Kern so ergriffen, daß er ihn von da ab des Oefteren und besonders des Nachts besuchte, um sein Wort zu hören. Als Selig diesen Prediger gefunden, suchte er seinen Freund auf, um auch diesen zu dem evangelischen Geistlichen zu führen; aber da derselbe inzwischen weiter gewandert war, kehrte er allein nach Weikersheim zurück. Hier hatte nun Selig viele und lange Unterredungen mit dem Hofprediger, und der Eindruck derselben vertiefte sich immer