Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 3-4 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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ob Jesus der Messias sei, welcher die Sünde vergiebt, erbeten wird. Elf Jahre später, 1758 aber, also in der Zeit der Frank'scheu Bewegung, findet der Prediger der Brüdergemeinde D. Kirchhof in Polen ein Gebet dieses Inhalts im allgemeinen Gebrauche der Juden und besonders als Sterbegebet derselben vor. Prediger Kirchhof erwähnt jedoch zugleich, daß die zahlreichen Juden daselbst, welche es glaubten, daß Jesus der verheißene Messias sei, im Zweifel wären, welchem Theilc der christlichen Kirche sie sich anschließen sollten, und daß sie den Wunsch hätten, in solche Länder zu ziehen, wo sie die reine evangelische Lehre antreffen könnten. Nur, weil man ihnen zur Untersuchung keine Zeit habe lassen wollen, und die Berfolgungen der anderen Juden immer heftiger wurden, hätten sie sich entschlossen, einfach zur katholischen Kirche überzugehen. — In der vorigen Nummer unseres Blattes hatten wir ferner mitgetheilt, wie der Proselyt Jacob de Dors in Osnabrück 1753 aus Polen einen Brief mit der Bitte solcher Juden, ihnen die rechte christliche Kirche zu nennen, erhalten habe. Ganz ähnlich lautet ein drittes Zeugniß aus derselben Zeit und gleichfalls wie die früheren mitten aus der Bewegung heraus. Die Acta Wiemarana aus dem Jahre 1760 enthalten einen Brief vom 19. Februar 1760 von der polnischen Grenze her, in welchem es hinsichtlich der Talmudgegner unter Anderem heißt: „Man wollte auch Nachricht haben, daß die Antitalmudisten nicht die römische, sondern die evangelisch-lutherische Religion annehmen wollen und daher viele Berfolgungen auszustehen hätten, besonders aber ihre Rabbiner, die erst die katholische Religion angenommen hätten, nunmehr aber sich zu der evangelischen bekennen wollten; weswegen sie, obgleich man äußerlich einen andern Borwand brauche, in's Gefängniß geworfen, ja mit Ketten und Banden belegt werden." Diese Mittheilungen geben nun die erwünschte Klarheit über die Vorgänge in jenen Jahren, und die Sache verhält sich wohl, wenn man ein Gesammturtheil aussprechen will, folgendermaßen: Völlig von einander unabhängige Zeugen bestätigen es hier, daß durch die polnischen Juden damals ein innerliches Fragen nach dem Christenthum ging, und daran ändert auch der Umstand nichts, daß man dieselben hernach dem vielfach betrügerischen Frank folgen sieht. Dieser Mann trat eben in eine Lücke ein, welche Andere gelassen hatten. Frank gab sich den Anschein, als ob er den Juden die rechte, christliche Kirche bringe, in welcher sie von Abgötterei frei wären und auch als Stamm zu ihrem Rechte kämen; zwei ernste, bedeutsame Ansprüche schien er also befriedigen zu können. Seine Sprache war überdem eine christlich klingende, und gerade dadurch erwarb er ihr Vertrauen. Hielten sie an der Dreieinigkeit und an der Menschwerdung des Sohnes Gottes fest, so lehrte auch Frank beides ausdrücklich. Die Kirche aber, welche sie umgab,