Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 3-4 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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62 die Augen über Frank und seinen Stab zu öffnen, sie von demselben innerlich zu trennen und sie allmählig weiterzuführen. Der Administrator des Erzbisthums Lemberg, Mikulski, allerdings, welcher mit den Talmudgegnern mehrfache Verhandlungen hatte und sie während derselben kennen lernte, gewann für dieselben ein Herz; er setzte es auch trotz des Widerspruches des päpstlichen Nuntius durch, daß ihnen die Lemberger Disputation gewährt wurde, und wußte dem Einflüsse Franks auf seine Umgebung einigermaßen entgegenzutreten, aber auch er wandte diesen Juden keine geistliche Pflege zu. Die katholische Kirche hat es bei dieser Gelegenheit recht deutlich gezeigt, daß sie eine Aufgabe an den Juden nur in höchst geringem Maße auszurichten versteht und vermag. Für eine innerlich erziehende Thätigkeit, die in Geduld die Schwachen trägt, sie fördert und zur Wahrheit bringt, fehlt es ihr offenbar an dem rechten Geiste; das bloße Autoritätsprincip macht es hier am wenigsten. Unter den Anhängern Zewis und Franks aber gab es sehr ernst-religiöse Gemüther, denen das Gewissen es bezeugt hatte, daß der heilige Gott sich nicht mit Erfüllung talmudischer Gebote abfinden und abspeisen läßt, und die nach einer wahren Vereinigung mit Gott verlangten. Gerade unter den polnischen Sabbathianern, wie man oft diese Leute nennt, war oft ein tiefinnerliches Sehnen und Fragen zu finden. Es liegen uns manche Notizen vor, die es beweisen, daß Frank nur darum einen so großen Anhang fand, weil er eben vielen Gemüthern eine religiöse Antwort gab, die ihnen Andere nicht gaben; sie folgten ihm, weil sich Andere ihrer nicht annahmen. Wie sehr das Verlangen, ein religiöses Sehnen gestillt zu finden, in diesem Kreise herrschte, zeigt der Umstand, daß so Manchem unter ihnen, der selbst nur flüchtig von der Botschaft der Gnade in Christo allein erreicht wurde, dieselbe durch's Herz ging. — Hierüber nun noch einige Bemerkungen. Der Herausgeber dieses Blattes hat in seinem Buche: „Stephan Schultz, Gotha, 2. Auflage, 1878, F. Perthes", auf S. 162 flgd. bereits den Punkt in etwas berührt.. Stephan Schultz hatte als Judenmissionar 1747 Polen und Ungarn besucht. Dort fand er die Gemüther der Juden vielfach mit Gedanken erfüllt, die es bewiesen, daß sie der Talmud nicht mehr befriedige. Sein und seines Begleiters Zeugniß aber machten einen solchen Eindruck auf diese polnischen Juden, daß sich das Jahr darauf in Breslau 17 derselben mit der Bitte um die Taufe bei den evangelischen Geistlichen einfanden, angebend, daß sie hierzu durch 2 Mischluchim (Abgesandte), die sie in ihrer Sprache angeredet und ihnen Büchlein übergeben hätten, bewogen seien. In Chronice aber schrieb Schultz einem Rabbiner auf seine Bitte ein Gebet nieder, in welchem die rechte Erkenntniß des Messias und die Erleuchtung darüber,