Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 3-4 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 gehüllt schlich er sich bis zu ihr. Die mitleidige Frau vergoß bei diesem Anblick bittere Thränen. Die häßlichen Kleider wurden ihm alsbald genommen, weggeworfen oder Bettlern gegeben, und die Pathen kleideten ihn gemeinschaftlich neu ein. 14 Tage später sandten sie ihn nach Wiesbaden zur Kur; die that ihm sehr wohl, und bei seiner Wiederkehr konnte er die Treppen ohne Stock hinaussteigen. Zeitmann's Pathen glaubten nun aber, daß er seiner Schwächlichkeit wegen nicht werde studiren können. Da sie sich jedoch über seine Zukunft nicht einigen konnten, so riefen sie den Dr. Pritius hinzu, um dessen Rath zu hören. Dieser würdige Geistliche examinirte den Jüngling und äußerte durch das Ergebniß sichtlich befriedigt: „Gott und das Predigtamt sind nicht an schöne Leute gebunden, sondern durch Gebet und Fleiß können alle Hindernisse überwunden werden!" Er sollte nun also studiren. Pritius bat A. H. Franke um die Aufnahme seines Schützlings in das Waisenhaus zu Halle, weil er in Frankfurt der Verwandten wegen nicht bleiben konnte, aber die Verhandlungen führten nicht zum Ziele. Man gab ihn deshalb nach Gießen, wo er noch 1'/» Jahr in der Prima blieb. D. Majus daselbst, Dr. Pritius und seine Frankfurter Wohlthäter, auch das Armenhaus unterstützten ihn und er erhielt einen Stipendiatenfreitisch. So ging es ihm denn jetzt viel besser. Nur der Ferien hatte man vergessen, und so hat er hintereinander einmal acht Wochen fast nur von Wasser und Brot gelebt. Aber auch diesmal ließ er nichts davon verlauten; denn er wollte seinen Wohlthätern nicht beschwerlich fallen. 1716, also mit 20 Jahren, machte er sein Abiturientenexamen; er hielt bei dieser Gelegenheit eine lateinische Abschiedsrede über „die wahre Weisheit". Im Herbste machte er eine Reise nach Frankfurt zum Besuche seiner Wohlthäter. Er ging während dieser Zeit auch einmal mit dem Zeitler'schen Handlungsdiener durch die Judengasse und vor dem Rothen Löwen vorbei. Man erkannte ihn. Zeitmann zog sich deshalb zurück und eilte über die Judenbrücke in die Stadt hinein. Seine Bekannten folgten ihm und redeten ihn mit seinem jüdischen Namen an. Als er sich fremd stellte, sagten sie, er solle sie nur der Rede würdigen, sie seien ja seine früheren Gespielen und Freunde gewesen. Da frug sie denn Zeitmann nach seinem