Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1879-01-01 · 3-4 (1879) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
3-4 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2554541-2554852-2554855--07146-2563153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

37 und hernachmalige Resident Gottfried Gullmann, der Kandidat der Medicin Hensing und Frau Zeitler, geb. Witte. Zwölf Jahr alt bekam Zeitmann Lust zur Profession, denn er wollte nicht müßig gehen und schlug deshalb vor, ihn zu einem Goldschmied in die Lehre zu geben. Die Pathen schenkten ihm Gehör und ließen ihn zunächst im Zeichnen unterrichten. Eines Tages aber ging er mit dem Hausvater Pregel auf den Römerberg; Letzterer unterhielt sich mit einem Uhrmacher Zollinger und ließ Zeitmann stehn. Da stürzten plötzlich sein Vater und seine Brüder herbei, der Vater steckte ihn unter seinen Mantel, stopfte ihm den Mund zu und riß ihn fort. Aber andere Leute sahen, was vorging, ein Tumult entstand, Zeitmann wurde den Seinen entrissen und sicher wieder nach Hause gebracht. Da erkannten seine Wohlthäter, daß er nicht in Frankfurt bleiben dürfe, vr. Benedict Gullmann, ein Verwandter des Residenten, nahm ihn 1709 mit sich nach Augsburg, wo er auf das Gymnasium Annaeanum gegeben wurde. Sv begann nun für ihn ein neuer Lebensabschnitt, und gerade die Gewaltthätigkeit seiner natürlichen Verwandten mußte ihm zum Besten dienen. Bei seinen guten Gaben und anhaltendem Fleiße erreichte er bald die 5. Klasse; im Hebräischen übte er sich besonders unter Anleitung des Ephorus Metzger. Im Jahre 1710 wurde er nach einer Prüfung, die er vor mehreren Geistlichen abgelegt hatte, zum Abendmahl zugelassen. Und Zeitmann war um sein Seelenheil auch auf dem Gymnasium recht besorgt; mit besonderem Danke gedenkt er aus dieser Zeit der Predigten des Or. Trenner. Sonst lebte er in Augsburg recht ein Leben in der Fremde. Als 1714 der Resident Gullmann nach Augsburg kam, wohin ihn eine Erbtheilung führte, erschrak er auf's Tiefste über die Veränderung, die inzwischen mit Zeitmann vor sich gegangen war. Der liebe junge Mensch hatte still und schweigend viele Roth gelitten und war so verfallen, daß seine Wohlthäter alsbald entschlossen waren, ihn nach Frankfurt zurückzunehmen. Er reiste mit jener Familie zurück und fand zunächst im Armenhause wieder Unterkunft. Jeder aber, der ihn sah, erschrak über sein elendes Aussehen. Den Tag nach seiner Ankunft besuchte er seine Pathe Frau Zeitler, auf einen Stock gestützt und in einen zerrissenen Mantel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.