Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 1-2 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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in der Frankreich jetzt lebt, sich ganz vorzüglich eigne, um die gewünschte Bewegung in Paris hervorzurufen. Es hat sich hier seit zehn Jahren die Gemeinde unglaublich vermehrt, so daß jetzt wohl nicht weniger als 40000 Juden hier leben. Die Majorität derselben hat sich von fast allen rituellen Banden befreit, dergestalt, daß sie nur dem Namen nach noch Juden sind. Viele der besten und reichsten Familien besuchen keine Synagoge mehr, und was das Schlimmste ist — verheirathen oft ihre Mädchen an Christen, und wenn jene auch nicht zum Glauben ihres Mannes übergehn, so werden doch die Kinder als Christen (hier zu Lande als Katholiken) erzogen. Gemischte Ehen von Juden mit christlichen Mädchen sind bei weitem seltener. Die Erziehung der Kinder in religiöser Hinsicht ist in den meisten Familien entweder gleich Null (sie lernen nicht einmal als Wissenschaft, was die Juden als Volk, was ihre Sprache, ihren Glauben betrifft), oder doch mit dem Leben der Eltern so im Streit, daß die Jnconsequenz den Kindern nicht zu verbergen ist. Was kann, wenn es so fortgeht, daraus werden als ein allmähliges Uebergehn des Jndenthums zur herrschenden Kirche und ein Versinken in's Pfaffenthum? Ich habe oft mit vielen meiner Bekannten diesen so wichtigen Gegenstand besprochen. Alle wünschen ebenso wie ich dieses Nebel zu verhüten und eine solche totale Reform herbeizurufen, daß verständige Christen leicht zu uns herübertrcten können. Da kommt aber der schwierige Punkt. Soll die Reform blos alles Rituelle (Speisegesetze, selbst die Beschneidung) betreffen, und Sabbath, Feste und Feiertage beibehalten, oder sich total emancipiren, Moses als großen Rathsmann und Gesetzgeber seiner Zeit betrachten und also ein absoluter Monotheismus werden mit Zurseitesetzung der Bibel und um so mehr der Commeutarien; und welchen Name» sollen die so Reformirteu annehmeu? Die Beschlüsse und Vorschläge der Rabbinerversammlung in Philadelphia gehn schon sehr weit, halten jedoch am Sabbath fest. Das scheint mir unmöglich. Man kann diesen Tag wählen zur Zusammenkunft im Tempel, zum Anhören einer Predigt, aber sonst darf man ihn nicht heiliger als jeden anderen erklären. So weit ich ersehen konnte, hat diese Versammlung Pesach und Versöhuungstag noch unberührt gelassen, aber wenn man zur That über-