Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 1-2 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Jrrthum war. Der, auf dessen Ankunft ich Euch vorzubereiten ermahnte, ist schon erschienen; der Messias ist Jesus Christns. Meine Kinder, der Mann, der so lange Zeit Euer Rabbiner war, ist daran, katholischer Christ zu werden. O, wie glücklich wäre er, wenn er Euch mit sich nehmen könnte!" Diese einfachen und edlen Worte waren kaum ausgesprochen, als ein gewaltiger Tumult in der Synagoge sich erhob. Ein wahrer Hagel von Beleidigungen und Drohungen fiel auf ihn. Alle Judengemeinden nahmen Kenntniß von dem großen Aergcrnisse. Die Erregung war eine gewaltige; sofort erschienen, einer Verordnung des Grafen Cavöur zu Folge, mehrere Aerzte, um ein gemeinsames Gutachten abzugeben, ob der sich als Katholik bekennende Rabbiner nicht ein Narr geworden sei. Das Resultat der Untersuchung war — Verbannung aus dem Vaterlande. Verbannt und beraubt, aber wiedergeboreu in der heiligen Taufe, ging er nach Paris; dort kannten wir ihn in der äußersten Nothlage. Seine Gemahlin hatte mit ihm die Heimath verlassen, ohne deshalb ihre religiöse Ueberzcugung zu ändern. Sie folgte ihm mit vier Kindern und wollte bis zum Ende ihrem Manu treu bleiben, dessen Anschauungen sie beklagte, dessen Herz sie aber bewunderte. Gott allein kennt die Entbehrungen alle, welche diese Familie zu ertragen hatte. Ohne die barmherzige Liebe eines Priesters, der seitdem Bischof geworden, hätte ihr mehr als einmal/ das Brod zum Mittag gefehlt und das Feuer in kalter Jahres^ zeit. Man erzählt, einst habe der arme Verfolgte, gedrängt, seihe Roth einzugeftehen, zu weinen angefangen, plötzlich aber sein silberweißes Haupt erhoben und mit engelgleichem Ausdruck gesagt: „O, ich soll nicht weinen; denn bin ich auch arm im Sinne der Welt, so bin ich doch reich geworden in Jesus Christus!" Er besaß aber auch den Schatz der göttlichen Schriften. Sie waren sein Lieblingsbuch, sein Trost. Er hatte sie gelesen und las sie wieder mit unermüdeter Hingabe; jedes Blatt der heiligen Schrift war sozusagen Zeile für Zeile in seinem Herzen photographirt. Wenn im Gespräch ein paar Worte eines Verses citirt wurden, so ergänzte er sogleich den Vers, wie wenn die heiligen Bücher stets vor ihm aufgeschlagen lägen. Gott, der auf das heilige Verlangen des Herzens hört, noch bevor ein Seufzer sich der Brust entrungen hat, schenkte dem Herzen dieses Mannes große Freuden: seine