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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 1-2 (1879) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
1-2 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 rakter zuspricht, das Geld bei ihren Vertretern und Fürsprechern nicht immer eine so hervorragende Rolle spielen dürfte. Unwillkührlich muß man hieraus seine Schlüsse ziehen. 5000 Mark, sagt Philippson, habe im Jahre 1877 der Londoner Mission eine Judenseele gekostet. Die Rechnung als richtig genommen, obwohl doch keiner von diesen Getauften auch nur durch einen einzigen Pfennig zum Uebertritt gelockt wo.rden ist, so sieht es die Kirche als ein höchst mäßiges Opfer an, wenn sie ihr seliges Ehrenamt, Menschenseelen zur Wahrheit zu führen, unter Aufwendung der von den Missionsgesellschaften angeführten Summen ausüben darf. Ihr einziger Schmerz dabei ist, daß sich nicht alle Juden, welche sie nun in ihre Gemeinschaft aufnimmt, hernach aufrichtigen Herzens beweisen, aber der Geldverlust kümmert sie nicht. Ein gutes Geschäft, das wird Herrn Philippson die Erfahrung bereits gezeigt haben, macht, auch menschlich gesprochen, höchst selten ein Jude, der durch die Mission zur christlichen Kirche kommt. Einen Trost glaubt übrigens die „Allg. Zeitung des Judenthums" darin zu finden, daß unter den 153 Getauften der Londoner Mission im Jahre 1877 nicht weniger als 94, d. h. zwei Drittel, „abessinische Bettler" gewesen seien. Letztere Zahl, die noch dazu mit hämischen Nebenbemerkungen angeführt wird, ist nicht richtig angegeben, nur 64 und nicht 94 hatte Abessinien gestellt; aber das ist auch nicht die Hauptsache. Wären wirklich alle 153 Bettler, dann hätte auch das nichts zu sagen. Juden und Heiden haben es einst der christlichen Gemeinde in den Tagen der Apostel vorgeworfen, daß sie zum allergrößten Theil aus armem Volke, Sklaven, Zöllnern u. s. w. bestünde. Die Synagoge, „die Zeugin der Wahrheit", frug schon in Jesu Zeit nach Gelehrsamkeit, Lebensstellung, Ansehen, Geld und nach sonstigem Schmuck oder Beirath der Erde bei den.Leuten; für die Kirche war die Seele des Sklaven genau so viel werth, wie die des Hohenpriesters, des Philosophen und des Kaisers, daher sie sich an alle wandte. Und diese Bettlergemeinde ist alsdann die größte Macht geworden, welche die Weltgeschichte gekannt hat, eine Macht, vor der sich schließlich ihre Verächter gebeugt haben. Hätte die Synagoge noch den Sinn der Gemeinde des Alten Testamentes, dann würden auch derlei Gedanken nicht von ihr geäußert werden; sie würde sich vielmehr daran erinnern, daß es ein Sklavenvolk war, das aus

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