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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 1-2 (1879) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
1-2 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 mahnender an die Gewissen der Menschen zu treten? Hat die Kirche, welche nach jüdischer Meinung doch ein ganzes Stück unter der Synagoge steht, einen solchen Eifer in dieser Sache entfaltet, daß sie auch jetzt noch viele Tausende von Sendboten unter alte Völker, die sie kennen gelernt hat, hinaussendet; hat die Kirche es durch die Arbeit des letzten Jahrhunderts dahin gebracht, daß ihre Erfolge bereits größer sind als in dem ersten Jahrhundert, da die christliche Predigt überhaupt erscholl; zählt allein die evangelische Kirche gegenwärtig bereits wieder eine neu gesanimelte Christengemeinschaft aus den Heiden mit zwischen 1 und 2 Millionen Seelen, und übersteigt der jährliche neue Zuwachs alle bisher erwarteten Proportionen — so fragen wir, was muß jeder ehrliche Jude sich wohl selbst sagen, wenn er nun sieht, daß keine zehn, wenn überhaupt einer aus der Synagoge her aufgestanden ist, der sich selbst persönlich drangesetzt hätte, und der mit solchem Eifer, die Wahrheit zu verbreiten, unter die Andersgläubigen getreten wäre? Die Synagoge klagt, daß man sie möglichst ignorire, die Kirche wird nicht ignorirt und läßt sich nicht ignoriren; die Synagoge läßt der Welt in der That gute Ruh, die Kirche nicht; die Kirche ist in alles Denken, Leben, Weben und Geschehen dieser letzten 18 Jahrhunderte eingezeichnet, die Synagoge hat nur mit den Gemüthern der Juden zu thun; bei der Synagoge konnte die übrige Welt vorübergehen, bei der Kirche nicht, und die heidnischen Nationen der Neuzeit empfinden das Walten der Kirche wohl, das der Synagoge dagegen nicht. Gewiß, die Juden selbst sind sonst gegenwärtig eine Macht in der Welt. Nirgends hat sich ein solcher Kapitalsrcichthum gesammelt als in ihrer Mitte, und je materieller die Menschen werden, desto fühlbarer wird auch die Kapitalsgewalt. Ebenso treten sie überall durch mündliches und schriftliches Wort gar entschieden für den politischen Liberalismus auf, den sie auch stufenweise immer weiter vorwärts drängen helfen. Nicht minder thätig ist eine Anzahl derselben an jener Arbeit vieler Christen betheiligt, welche den alten christlichen Glauben durch armselige Humanitätsideen zu ersetzen trachten. Hier überall treten viele Juden auch ganz in der Weise von Missionaren wirkend aus; hier begegnet man ihren Personen selbst sehr häufig; von diesen Gegenständen . hören sich viele Tausende durch jüdische Redner angeredet; es ist

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