Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 1-2 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Schmerzen, an ihre Schande und Ehre allein; auf die Andern warf sie höchstens etliche hochmüthige, stolze, selbstzufriedene, verachtende Blicke herab und dünkte sich noch besonders gut, wenn sie denselben auch da und dort einmal einen Antheil an der ewigen Welt theoretisch zugestand; denn thatsächlichlich und praktisch rührte sie kaum einen Fingers daß dieselben in ihr sogenanntes reiches Erbe miteinträten. Jetzt endlich, nachdem es keine Gefahr mehr läuft und keine Opfer oder Selbstverleugnung mehr kostet, vor der Welt vom Judenthume zu zeugen, jetzt endlich, nachdem die Christenheit zwar nicht in die Synagoge eingegangen ist, aber sie es derselben gestattet hat, zu thun, was sie will, um die Welt zu sich herüberzuziehen, jetzt endlich weisen uns einige Stimmen aus der Mitte der Synagoge darauf hin, daß sie in diesem Werke nicht unthätig sei. Aber wie gering und armselig ist doch diese Arbeit im Vergleiche zu dem Werke, welches die Kirche zu aller Zeit und. auch heute dafür ausgenommen hat, die ganze Menschheit zur Erkenntniß und zum Gehorsam der Wahrheit zu führen! Wir wollen gewiß jene literarische Arbeit nicht verachten, die darauf ausgeht und abzielt, die Wahrheit auszubreiten; aber ihren Werth hat sie erst dann, wenn sie jener anderen Arbeit begleitend zur Seite geht, da man seine eigene Person dransetzt und selbst die Menschen aufsucht, um ihrem Herzen und Gewissen die wichtigsten Fragen ihres Lebens nahe zu bringen. Das ist doch nur die allerkleinste Zahl, die sich von selbst getrieben fühlt, dem nachzuforschen, was über dieses größte Thema geschrieben worden ist; und wer seine andersartige Erkenntniß hat, muß wahrlich erst mit vieler Mühe und Arbeit dafür gewonnen werden, es noch einmal zu prüfen oder zu untersuchen, ob er denn auch auf dem rechten Wege ist. Die Patriarchen, MoseS, Josua, Samuel, David und alle Propheten ließen sich nicht an literarischer Thätigkeit genügen, sondern sie suchten selbst unabänderlich die Leute in ihrem Volke auf, um dieselben zur Wahrheit hinzuleiten; sie erschienen selbst auf dem Markte des Lebens, wo sie Jedermann hören mußte, und überließen es den Israeliten nicht, daß diese sich nur ihre Schriften verschafften. Jene Gottesmänner sahen sich fast regelmäßig einer Menge gegenüber, die ganz andere Gedanken verfolgte, aber es ließ ihnen keine Ruhe, und vor Allem ließ ihnen Gott keine Ruhe, als bis sie dem Volke in allen seinen