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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 1-2 (1879) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
1-2 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 ausbreiteten, aber diese zogen trotzdem zur Eroberung hinaus. Dr. Philippson urtheilt mit der ganzen Synagoge aller Zeiten, daß doch das eigene Leben zu viel Werth sei, als daß man eö für das Werl dransetzen sollte, unter Andere die Wahrheit zu tragen und sie für dieselbe zu gewinnen. Die Kirche in allen ihren verschiedenen Konfessionen hat je und je und bis zum heutigen Tage ganze Schaaren auszichen sehen, die ihrem Herrn und Könige, der Alle zu Gott dem Vater führen will, neue Unterthanen gewinnen wollten, und der Gedanke, daß sie hierbei das Feld mit ihrem Blute düngen könnten, hielt sie nicht einen Augenblick zurück. Die Synagoge meint, sie habe die volle, ganze Wahrheit; die christliche Kirche glaubt ihrem Heilande, der gesagt hat: „Ich bin die Wahrheit" und darum spricht: „Wer sein Leben findet, der wird es verlieren, und wer sein Leben verlieret um meinetwillen, der wird's finden!" Wer hat nun die Wahrheit mehr geehrt: die Synagoge, welche sich aus lauter Rücksicht für ihr zeitliches Wohl damit begnügte, ihren Schatz für sich selbst zu besitzen? oder die Kirche, welche Alles litt und duldete, um ihn der ganzen Welt mitzutheilen? Wem hat die Welt mehr zu danken? wer hat an sie mehr Mühe, Arbeit, Liebe und Opfer gewandt, die Synagoge oder die Kirche? Es versteht sich ja von selbst, daß Jeder für seine eigene Ueberzeugung Alles dransetzt und daß er lieber das Leben läßt, als daß er dieselbe verläugnet. In diesem Sinne hat die Synagoge sehr zahlreiche Märtyrer auszuweisen; hier kann sie sich durchaus der Kirche an die Seite stellen. Aber auch der Muhamedanismus, der Buddhismus, der Parsismus und jede halbwegs ehrliche religiöse Ueberzeugung kennen Märtyrer solcher Art. Um diese handelt es sich hier aber nicht, sondern es handelt sich vielmehr darum, was es sich die Kirche und die Synagoge in der Arbeit, die an das Beste der Anderen dachte, haben kosten lassen. In diesem Punkte aber stellt sich wahrlich das Urtheil der Weltgeschichte für und über die Synagoge äußerst ungünstig; in der Synagoge ließ man sich durch den Egoismus bestimmen, in der Kirche vergaß man sich selbst um Anderer willen. Die Synagoge hatte auch nirgends dauernd die Kraft, durch den fremden Widerstand hindurchzubrechen, ihre Feinde zu überwinden und sie in ihre Freunde umzuwandeln. Wo äußere

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