Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 1-2 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554852-2554854--07113-2563119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5 Künsten eine Seele zu fangen, ist ein sehr zweideutiges Geschäft, das wir ohne Neid Andern überlassen." Es wird alsdann noch unter besonderem Hinweis auf den Theologenmangel in etlichen Theilen der christlichen Kirche die Bemerkung hinzugefügt, daß es in der antireligiösen Strömung unserer Zeit für jede Religionsgemeinschaft viel angezeigter, sei, ihre Anstrengungen darauf zu richten, daß innerhalb ihres eigenen Kreises die religiöse Ueberzeugung gestärkt und befestigt werde. Besser konnte man in der That die Kirche nicht vertheidigen, als es hier vr. Philippson, gar sehr gegen seine Absicht, gethan hat. Gewiß, Geschichte kennen wir. Eben deshalb ist es uns auch wohlbekannt, um diese zuerst von jener Zeitung erwähnte Sache zu berühren, daß sich die Concilien gegen jene Gewaltakte erhoben, welche die Juden an ihren christlichen Sklaven verübten, indem sie dieselben, ohne sie zu fragen und gegen ihren Willen, beschnitten. So unrecht Zwangstaufen und Mortara-Fälle sind, ebenso unrecht sind auch Zwangsbeschneidungen. Aber allerdings verbot man es alsdann auch bis in die neuere Zeit hinein in den christlichen Staaten ganz allgemein den Inden, irgendwen zum Uebertritt in die Synagoge zu bewegen, auch wenn diese hierbei ohne jede Gewalt verfuhren; man verbot den Uebertritt selbst bei Strafe der Verbannung oder des Todes. Bekanntlich verbot es aber die Synagoge den Christen der ersten Zeit sogar, ihren Glauben auch nur Andern zu predigen, und warf die Apostel, die das thaten, dafür in's Gefängniß. Kaum aus demselben erlöst, standen diese jedoch wieder vor allem Volke und verkündigten ihr Evangelium von Neuem. Als man sie deshalb vor Gericht stellte, erklärten sie einfach: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!" Man stäupte sie, man warf sie hernach wieder in die Kerker, man tödtete Andere, die Synagoge hat reichlich das Blut der ersten Christen vergossen, es half ihr nichts, diese starben lieber, als daß sie davon abließen, ihr Zeugniß vor Juden und Heiden abzulegen. Die Synagoge schloß ihren Mund und verstummte Andern gegenüber, wenn man ihr dies befahl, die christliche Kirche that das nicht. Die heidnischen Kaiser haben eben so gut wie die Synagoge in den Tagen der Apostel das Christenthum für eine verbotene Religion erklärt und sind den Christen mit allen Schrecken entgegengetreten, damit dieselben nur ihren Glauben nicht weiter