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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 11-12 (1878) · page 31

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Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
11-12 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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203 welches Jedermann außer den treuen Nachfolgern der Rabbinen unbekannt bleibt; oder sie müßten kühn erklären, daß die Bibel ein veraltetes Buch ist, wohl geeignet für jene finsteren Jahrhunderte der Geschichte, als Israel noch in seiner Kindheit stand und wunderbare Legenden brauchte, die ihm Ehrfurcht einflößen sollten, aber für das-gegenwärtige erleuchtete Jahrhundert völlig ungeeignet. Diese letztere Entscheidung haben Tausende von italienischen Juden in Nord-Afrika getroffen, und der Missionar muß denselben oft genug das Dasein eines Gottes und die Nothwendigkeit einer göttlichen Offenbarung darthun; der größte Theil aber bleibt für die Wahrheit unempfänglich. Wir gehen diesmal nicht näher auf die Zustände unter den Falaschas, den Juden Abessiniens, ein, da wir über dieselben immer besonders und ausführlicher berichten, und kommen nun zum Schluß. 12. Schlußgedanken. Beim Rückblick auf die Zustände, in denen wir die Juden, welche die Londoner Mission aufsucht, vorgefunden haben, werden wir sagen müssen, daß sich das Religionsvolk seiner unendlich überwiegenden Masse noch bis nach Asien und Afrika hinein in einem kaum glaublichen religiösen Verfall befindet. So weit der alte Talmudismus unter Israel herrscht, was ja allerdings in Rußland, Galizien, Rumänien, der Türkei, Asien und Afrika noch vielfach der Fall ist, hat derselbe alle Kraft und allen Saft verloren, und er sinkt täglich mehr zum elendesten, todtesten Fvrmenwesen ohne innere Wahrheit herab. Kein Wunder, daß er seine Anhänger nirgends mehr zu befriedigen vermag, und daß er deshalb Jahr aus Jahr ein mehr Boden an den fanatisch-mystischen Chasidismus und an die Reform verliert, welche letztere die Inden vor Allem zum Genüsse der modernen Kultur einladet, und die vom Alten nur die Vergötterung des jüdischen Stammes, eingekleidet in die Phrase, daß derselbe die Einheit Gottes aufrecht erhalten müsse, behält. Eine gewisse Art Neuorthodoxie aber sucht, da eben nicht alle mit gleicher Schnelligkeit die Umwandlung in's Neue durchmachen können und wollen, ein Drittes herzusteüen, da man sich freilich auch der neuen Kulturherrlichkeit mit Geist und Herz ergiebt, aber das alles doch unter lärmendem Eifer für gewisse alte Formen und Gebräuche. Diese Neuorthodoxie ist das Allerunwahrste im heutigen Judenthum, denn sie trägt nur zu sehr den Mantel auf beiden Schultern. Dasselbe gilt allerdings jedoch auch in vieler Beziehung für die sogenannte gemäßigte Reform und für die ganze neuere Synagoge, die sich überall noch mit Vielem schleppt, was für sie keine Wahrheit mehr ist. Religiöser Verfall aber ist stets der Anfang des Endes; äußerer Glanz und Reichthum, Wissen und Ehre verleihen keine Lebenskraft. Der frühere Talmudismus war in mancher Beziehung noch ein Eisern um Gott, ein

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