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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 11-12 (1878) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
11-12 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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202 letztere die Ehefrau eines das Jahr zuvor getauften Manues. Einer der getauften Männer ist im Jahre 1876 in das Mizpeh eingetreten und hat auf alle, die ihn kennen gelernt haben, den Eindruck gemacht, daß es ihm mit seinem Glauben an Christum ein' rechter Ernst ist. Cr erhielt dann 3 Monate hindurch regelmäßigen Unterricht. Im Lause des Jahres verfiel er in eine schwere Krankheit. Als ihm gesagt wurde, daß sein Ende nahe sei, antwortete er einfach: „Jesus ist mein Hirt, ob ich lebe oder sterbe, so bin ich sein; meine Kinder empfehle ich eurer väterlichen Sorge!" Am Vorabend des jüdischen Versöhnungstages, welcher sein letzter Tag zu werden versprach, erschienen seine Verwandte und Freunde bei ihm und baten ihn, er möge sich doch in das Mellach bringen lassen, um da zu sterben und unter seinem Volke begraben zu werden und so dem Schicksale, wie ein Hund verscharrt zu werden, zu entgehen. Er antwortete ruhig und klar: „Ich bin glücklich und im Frieden mit Gott in Jesu, laßt mich allein!" und sein Gesicht zur Wand kehrend betete er zum Herrn. Er selbst betete ernstlich, und andere beteten für ihn, und durch des Herrn Segen halfen die bei ihm angewandten Mittel zu seiner Wiedergenesung. Gewöhnlich wirft man den Missionaren vor, daß sie die Seelen kaufen, und daß sie das Leben eines Proselyten leicht und angenehm machen; hier brauchte man wider sie das Gegentheil als Beweis: „Was hast du nun gewonnen?" S.'s Freunde sagten: „Wirst du genöthigt, schwer zu arbeiten, so komm' zu uns, hier ist ein Arzt und sind Pfleger, und du wirst glücklich im Leben sein, nach deinem Tode aber durch ein jüdisches Begräbniß geehrt werden." Der Tauftag war diesmal der Vorabend vor Ostern. Seit Eröffnung der Mission in Marokko am Ende des Jahres 1875 bis Ende 1877 sind überhaupt 7 Männer, 4 Frauen und 10 Kinder, zusammen 17 jüdische Personen getauft worden; einer der Proselyten ist nach Süd-Amerika in Handelszwecken gegangen; ein anderer nach Algier, wohin er, um in das Militair einzutreten, gerufen wurde; 3 Männer, 1 Frau und 2 Kinder sind durch die Verfolgung der Rabbinen ans Marokko vertrieben worden. Die Missionare aber sehen ihr Mizpeh recht als eine Warte an, da sie fortfahren sollen, für das geistliche Wohl Israels zu sprechen, zu arbeiten und zu beten, so lange sie es dürfen. 11. Hums. Miss. Frankel darf berichten, daß die größere Zahl der Juden seines Distriktes das Neue Testament bereits gelesen habe. Vielfach hört nun derselbe das Bekenntniß, daß sie, nachdem ihnen das Alte Testament unter das Licht des Neuen Testaments gestellt sei, vor eine Entscheidung gestellt seien; sie müßten entweder erklären, daß die Bibel ohne den Talmud ein versiegeltes Buch ist, in dem jedes Wort und jeder Buchstabe ein verborgenes Geheimniß enthält.

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