Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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199 ein Fragen freilich nicht nach dem Wege des Heils, wohl aber nach etwas Anderem, als es die jüdischen Fabeln sind, zu erwachen beginnt. Das hilft aber dem Missionswerke selbst, wie es die entschiedene und heftige Verfolgung beweist, durch welche die jüdischen Oberen allen Versuchen, gute jüdische Schulen zu errichten, die nicht fast ausschließlich den Talmud lehren, schnell ein Ende machen. Kämpft so in Jerusalem der Talmudismus noch einen gewaltsamen Kampf um die Erhaltung seiner Herrschaft, so wächst dagegen in Damaskus der Unglaube unter den Juden sichtlich. Hier ist der Rabbinismus im offenbaren Sinken und hat seine Macht über viele aus dem Heranwachsenden Geschlechte eingebüßt. Die Entscheidungen der Rabbinen werden von vielen Juden ungestraft mißachtet, da dieselben alle die abergläubische Furcht vor dem vermeintlichen übernatürlichen Einflüsse der Rabbinen aus die Geschicke ihrer Heerde verloren haben. Vor noch nicht langer Zeit glaubte man, daß Ungehorsam gegen das Gebot eines Rabbi unmittelbaren Tod oder Armuth oder sonst ein anderes gefährliches und schreckliches Unheil nach sich ziehn würde. Der Krieg, welcher die Bevölkerung ganz hat verarmen lassen, hat sich natürlich der Missionsarbeit des Pr. Reichhardt vielfach hinderlich in den Weg gestellt. Doch ist dieser dafür dankbar, daß die türkische Obrigkeit ihm nie das Geringste in seiner Arbeit in den Weg gelegt hat, so daß er sein Werk unter den Inden mit voller Freiheit treiben konnte. 10. Marokko. Das Jahr 1876 hatte sich für Miss. Ginsburg überaus günstig angelaffen; die heilige Schrift war in einer großen Anzahl von Exemplaren abgesetzt worden, und eine ziemliche Schaar von Juden war hervorgetreten, um sich öffentlich zu Christo zu bekennen; aber 1877 erfolgte der Rückschlag. Sonntag den 14. Januar 1877 zog eine große Prozession von Juden aus dem Mellach, dem Judenviertel, die Rabbinen an der Spitze, durch die Kasbah, vorbei bei dem Mizpeh, dem Missionsquartiere, zum Palaste des Sultans. Dort beschloß man in einer sehr wirren Versammlung, den Sultan um die Vertreibung der Missionare aus dem Lande zu ersuchen; und um der Petitton Nachdruck zu geben, wurden Stiere an den Thüren der obrigkeitlichen Personen und der Schutzheiligen geschlachtet. Da die Ant-