Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554851--07094-2563099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
196 Straße, in welcher sich der Bücherladen befindet, .ebenfalls einen Laden. Derselbe kaufte einige Traktate und kam dann am Abende, um sich in ein freundliches Gespräch einzulassen. Später vereinigte er sich mit den Getauften an ihren Abendandachten und dies that er, bis er ein anderes Lokal bezog. Dieser junge Mann und ein anderer nahmen ihre Traktate mit in die Synagoge und lasen sie dort einigen Juden vor; aber ein Chacham trat dazwischen und trieb sie unter einer Fluth von Verwünschungen hinaus. Sie setzten ihre Beschäftigungen im Hose fort, der Chacham aber folgte ihnen dahin Und schrie: „Ihr lest die Bücher von Lügnern. Sie geben vor, Eiferer um das Gesetz zu sein, während sie es doch brechen. Sie beobachten den Sabbath nicht und halten auch nicht die andern Gebote." Mehrmals hatten die beiden Kolporteure und der Schriftvorleser üble Behandlung und Verfolgung um Christi willen zu erleiden. Der Sohn eines Chacham war im Begriff, ein Exemplar „des wahren Israeliten" zu kaufen, als er hierbei von seinem Vater überrascht wurde, der ihn schlug und zum Kolporteur sagte: „Es ist mir ein Kleines, so Jemand wie Sie zu tödten; deswegen kommen Sie ja nicht wieder her, oder Sie sollen den Ort nicht lebendig verlassen!" Bei einer öffentlichen Unterhaltung erklärte ein Jude: „Wenn ich nur dessen gewiß wäre, daß meine Familie hernach versorgt würde, so würde ich einen Burschen wie Sie (den Kolporteur) erschlagen und mit Freuden in's Gefängniß wandern!" Ein jüdischer Herr antwortete hieraus: „Wir sind dessen nicht ganz gewiß, wer von uns der Gottloseste ist, wir oder der Christ"; das beruhigte den gewaltthätigen Menschen. Bei einer Unterhaltung im Hause eines wohlhabenden Juden sagte die Dame des Hauses zu dem Schriftvorleser: „Wenn ich einen solchen Sohn wie Sie hätte, dann würde ich denselben vergiften oder auf der Stelle tödten!" Der zweite Kolporteur wurde mehrmals in den Dörfern der Umgegend, wo die Juden das Dazwischentreten der Polizei nicht zu fürchten hatten, von denselben geschlagen. Aber das sanftmüthige Benehmen der Kolporteure und ihr stilles Ertragen aller Uebel übte auf die nachdenklicheren unter den Zuschauern doch oft einen heilsamen Einfluß aus, ebenso das Verhalten einiger Proselyten. Eine ganze Familie wurde hierdurch zur Nachfolge bewegt. Der