Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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195 unter die Juden, und bei etlichen wenigstens fand ihre Botschaft eine gute Aufnahme. Zwei Familien aus Israel, deren eine aus vier Personen bestand, alle Orientalen, wurden der Gemeinde der Gläubigen hinzugethan. Die Zahl der jüdischen Kommunikanten wuchs aus 12. Der Same des göttlichen Wortes wurde über ganz Konstantinopel, seine umfangreichen Vorstädte und Dörfer an den Gestaden des Goldenen Hornes und des Bosporus ausgestreut, Missionsreisen dagegen verhinderte der Krieg. Die Schrift von Dr. M. 'Caul „Der wahre Israelit" erweist sich in diesen Gegenden, wo noch das rabbinische Judenthum eine große Macht besitzt, als ein ganz besonders geeignetes Werkzeug, die Aufmerksamkeit auf die unheiligen Lehren der Rabbinen und die viel höheren Forderungen des Christenthums hinzulenken. Gar oft haben die Missionare Juden in Bazaren und in Booten diese Gegenstände besprechen hören. Ein Rabbi selbst wurde ein demüthiger Forscher nach der Wahrheit in Folge dessen, daß er „den wahren Israeliten" gelesen hatte. So stolz diese Klasse gewöhnlich ist, hielt es Rabbi N. doch nicht unter seiner Würde, Belehrung bei einer so anspruchslosen Person, als es ein Kolporteur ist, zu suchen; und dies geschah so beständig, daß der gelehrte Talmudist ein Schüler des einfachen und unsophistischen christlichen jungen Mannes wurde. Oft sah man Juden ihren Brüdern Traktate in den Kaffeehäusern vorlesen. Dies kam hauptsächlich daher, daß eine große Zahl der sephardischen Juden nicht lesen kann. Einer derselben sagte einmal zu dem Kolporteur: „Wenn Sie mir schwören, daß Jesus der Messias ist, dann will ich an ihn glauben!" Aber freilich, so leicht wurde es den Forschenden nicht immer gemacht, es fehlte denselben oft auch nicht an Verfolgung. Ein Kaffeehausbesitzer an der Stambul-Seite des Goldenen Horns z. B. wurde in den Bann gethan, weil er religiöse Gespräche in seinem Lokal geduldet und auch selbst christliche Bücher gelesen hatte. — Von besonderem Nutzen erweist sich der Bücherladen. Juden, welche Schriften gekauft haben, bringen oft andere in denselben, um sich solche ebenfalls anzuschaffen, und bei dieser Gelegenheit wird ihnen Hierselbst das Evangelium verkündigt. Da knüpfen sich denn aber Verbindungen an, die sich hernach zu Zeiten als recht fruchtbare erweisen. So eröffnete ein junger Mann in derselben