Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1878-01-01 · 11-12 (1878) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
11-12 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554844-2554851--07085-2563090
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

187 auf Gründe und Beweise nicht hören. Die Tochter dagegen, eine wohl unterrichtete junge Dame, die gut Hebräisch konnte und ein Regierungszeugniß als Lehrerin erster Klasse hatte, ließ sich gern in ein Gespräch über die Hauptlehren des Christenthums ein. Diese Besuche wurden wöchentlich wiederholt, stets aber erst des Abends um 8 Uhr, da erst dann alle Glieder der Familie zu Hause angetroffen werden konnten. Der Missionar bemerkte bald, daß in der Tochter wie in der Mutter ein gutes Werk begann , und das ermuthigte ihn auch für den Sohn. Bald aber wurden Anstrengungen gemacht, um die kleine Flamme wieder auszulöschen, welche der Herr entzündet hatte. Als der Vater nämlich sah, daß die Besuche des Missionars so häufig und regelmäßig wurden, und wohl wahruahm, daß seine Familie dem Christenthnm sich zuneigte, sagte er eines Abends: „Mein Herr, ich muß Sie bitten, nicht mehr in mein Haus zu kommen, da ich -nicht wünschte, daß hier religiöse Gespräche stattfinden". Dann sagte er, sich an seine Kinder wendend: „Ich verbiete euch, mit diesem Herrn euch in religiöse Gespräche einzulassen; ihr könnt sonst über jeden Gegenstand, den ihr wollt, sprechen, aber nicht über Religion". Seine Frau und Kinder versuchten, ihm Gegenvorstellungen zu machen, aber der Mann wurde ganz böse, und der Missionar hielt es daher für das Beste, ihm nur zu sagen: „Es betrübt mich sehr, zu sehn, daß Sie am Worte Gottes Anstoß nehmen; ich habe Ihnen nichts vorgehalten, als was Moses und die Propheten über den Messias ausgesprochen haben, und ich muß Sie bitten, sich doch daran zu erinnern, daß um dieses lang ersehnten Messias willen unsre Väter lieber lange und bittere Verfolgungen erduldet haben, als daß sie diese süße Hoffnung drangegeben hätten". Der Missionar kam also nicht wieder, und eine Zeit lang war das gute Werk nach so schönem Anfänge völlig unterbrochen. Allerdings fuhr der junge Mann fort. Miss. Mamlock zu besuchen, aber nicht so oft und nicht so regelmäßig, als früher; und noch mehr, er suchte die Rechtfertigung nicht durch den Glauben an Christum, sondern sagte: „Ich denke, daß nach Allem ein Mensch durch seine guten Werke selig werden kann, der Glaube an Christum ist nicht durchaus nothwendig". Solch eine Erklärung überraschte den Missionar nicht wenig, zumal sie von Einem kam, von dem er Besseres erwartet hatte, besonders wenn er die Länge der Zeit, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.