Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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186 sie nun sehen, daß dieselben gleichfalls ihre Traditionen haben, welche sie mit dem stolzen Namen der Philosophie belegen, dann kommt ans ihrer Mitte da und dort doch Einer zum Missionar, um das innere Hungern des Herzens durch die lautere Milch des Evangeliums stillen zu lassen. 6. IsranKreich. Auch hier dieselben Zustände: Im Allgemeinen die größte religiöse Gleichgiltigkeit, vielfach aber auch völliger Unglaube oder äußerste Zweifelsucht; gern brüstet man sich auch damit, Anhänger des freien Gedankens zu sein. Die religiöse Erziehung der Jugend ist ungemein mangelhaft. Man begnügt sich damit, Hebräisch lesen zu lernen und sich eine Art von jüdischem Katechismus einzuprägen, aber das geschieht in so trauriger Weise, daß die Schüler kaum wissen, was sic lernen. Der große Wohlstand der französischen Juden macht sie übcrdem gegen alles Höhere sehr kalt. Und doch auch hier lassen sich Seelen finden, die ein tieferes Gefühl für die Wahrheit zeigen. Miss. Mamlock machte in Paris die Bekanntschaft einer französischen jüdischen Familie, die aus Vater, Mutter und zwei erwachsenen Kindern bestand. Die Mutter war eine Christin, der Vater ein alter Jude, die Kinder waren streng als Juden erzogen. Der Sohn kam jedoch, als er heranwuchs, in Berührung mit Christen und wurde von ihnen angeleitet, die christlichen Gottesdienste zu besuchen. Ein intelligenter junger Mensch begriff er sogleich die Schönheit und Wahrheit des Christenthums, obwohl er nur unvollkommen seine Lehren kennen lernte. Sobald dies aber zur Kenntniß seiner jüdischen Verwandten kam, eröffneten dieselben gegen ihn ein förmliches System von Belästigungen, und dies that besonders sein Vater, so daß er die Wahrheit des Wortes Christi: „Des Menschen Feinde sind seine eigenen Hausgenossen" schmerzlich zu erfahren bekam. Nichtsdestoweniger suchte der junge Mann den Missionar von Zeit zu Zeit auf, um mit ihm religiöse Gespräche zu haben und von ihm Unterweisung zu empfangen. Das war jedoch nicht das Ende der Sache. Der Missionar ließ es sich angelegen sein, den Vater, die Schwester und die Mutter des jungen Mannes zu besuchen; denn die letztere, obwohl eine Christin, bedurfte ebensoviel Unterricht und Ermahnung, als die übrige Familie. Der Vater, ein völlig bigoter Jude, wollte