Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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184 öfters waren auch Juden und Jüdinnen bei diesen Versammlungen zugegen; an manchen Orten konnte der Raum die Gekommenen nicht fassen. Insbesondere aber hat Miss. Flad auch auf Missionsjahresfesten in Folge Aufforderung der Geistlichen Ansprachen über die Judenmission gehalten. Die Missions-Gesellschaft in Baden gewährte ihm von Neuem IM Mk. für die Kolportage unter den Juden des Großherzogthums; nach den Predigten und Ansprachen wurden mehrfach Kollekten für die Mission unter den Falaschas von Abessinien oder unter den Juden*veranstaltet. In jenen Gegenden verharrt die geringere Klasse der Juden theils aus Unwissenheit, theils aus Gleichgiltigkeit bei ihrem früheren Hasse gegen Christum und das Evangelium, während die besseren Klassen der Juden gegen das Christenthum freundlicher als früher gestimmt sind, und man ihre Rabbinen oft an den Versammlungen der christlichen Pastoren theilnehmen sehen kann. Gar manche jüdische Familien lassen ihren Kindern eine christliche Erziehung geben und haben nichts dagegen, daß diese dem christlichen Religionsunterricht in den Schulen beiwohnen und zu Hause ihre christlichen Lieder oder auch Stellen aus dem Neuen Testamente und Gebete wiederholen, die sie auswendig gelernt haben. Die Reformjuden sind der Regel nach Rationalisten, aber stets nahbar und zu Gesprächen über religiöse Gegenstände bereit, wenn sie nicht bereits völlig entsittlicht sind; überdem nehmen sie gern einen christlichen Traktat an, den sie alsdann auch wirklich lesen. Ein großes Hinderniß bildet für den Missionar in den dortigen Gegenden der Einfluß der Orthodoxen. Voll Vorurtheil und Haß gegen das Christenthum sind sie zugleich gegen wirklich geistliche Dinge völlig gleichgiltig. Die Wahrheit freimüthig und in Liebe vor ihnen bekannthat sie aber doch öfters vor dem Missionar zum Schweigen gebracht, und mehrfach haben die Juden selbst solche Widersacher gezwungen, entweder zu schweigen, oder den Ort, wo Miss. Flad redete, zu verlassen. In der preuß. Rheinprovinz arbeitet als Londoner Missionar M. Rosenstrauch. Die rheinischen Juden sind vielfach recht wohlhabend, ihr religiöser Zustand dagegen ist ein überaus beklagenswerther. Unglaube und Materialismus herrschen unter ihnen weit und breit. Miss. Rosenstrauch aber ist unter ihnen seit Langem wohl bekannt und vielfach auch gefürchtet. In mehreren jüdischen