Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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183 sonderen Gaben und in geistreicher Weise bezeugt wird, wirkt. Der geistvolle Apollo schafft nicht mehr als der einfache, nüchterne, praktische Jakobus. Wenn nur das Evangelium selbst den Herzen nahe gebracht wird, dann beweist es sich in allen Formen und völlig unabhängig von den Gaben, mit denen es vorgetragen wird, als eine Gotteskraft, mit der auch die Widerwärtigsten und Feindseligsten erst ringen müssen, wenn sie sich derselben nicht ergeben wollen. Erfahrungen der Art macht die Judenmission ein jedes Jahr. Ein einfacher Kolporteur, welcher von Frankfurt a. M. aus die Juden besucht, kommt an einen Ort, wo etwa 20 jüdische Familien unter zehnmal so viel Christen leben. Dort hört er einen Inden, der Vorlesungen über Religion hält, in denen er Moses und die Propheten leugnet. Diese Vorlesungen waren von Christen zahlreich besucht, und dieselben betrachteten den Mann als ein Wunder von Gelehrsamkeit und Religiosität. Am Ende einer dieser Vorlesungen stand der Kolporteur mit seiner Bibel in der Hand^auf, führte Spruch um Spruch aus derselben zum Beweise für die Wahrheit des Evangeliums an, und sagte es den Christen in's Gesicht, daß es für sie eine Schmach wäre, mit dem Worte Gottes so wenig bekannt zu sein. Wenn sie nur die Bibel lesen wollten, so würden sie es bald entdecken, daß diese Vorlesungen voll gefährlicher Jrrthümer wären. Natürlich wollte der Vortragende so schwere Vorwürfe nicht unbeantwortet lassen und begann sich zu vertheidigen; der Kolporteur aber antwortete, und den Leuten waren nun die Augen geöffnet, so daß sie jetzt erklärten, sie wollten fortan dem göttlichen Worte mehr Aufmerksamkeit schenken, und viele Bibeln und Traktate kauften; unter den Käufern befanden sich Christen und Juden. Der Goliath war wieder einmal einem kleinen David erlegen. Die Zeugen des Evangeliums werden denn auch gerade über ihrem Werke selbst doppelt getrost, so daß sie die Freudigkeit gewinnen, auch dann, wenn der sichtbare Erfolg fehlt, zu arbeiten. Gerade das, gerade der Eifer, den das Christenherz für die Ausbreitung des Königreichs Jesu empfindet, bleibt auch für die Juden immer wieder eine Thatsache, welche sie nicht so einfach umgehn und sich auch selbst mit den beliebten Erklärungsgründen nicht in der Weise zurechtzulegen vermögen, daß kein Stachel mehrübrig bliebe.