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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 11-12 (1878) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
11-12 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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181 dürrsten Boden. Das ist nun wieder eine tröstliche Erfahrung, die sich stets von Neuem bestätigt, und für die auch Deutschland keine Ausnahme bildet. Im Mausoleum zu Charlottenburg, der Stätte, wo die Gebeine König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und seiner Gemahlin, der Königin Louise ruhn, sah eine Jüdin das Bild des Gekreuzigten an der Wand, und darunter die Worte aus 1. Joh. 1,7: „Das Blut Jesu Christi des Sohnes Gottes macht uns rein von aller Sünde!" Diese Worte machten einen so gewaltigen Eindruck auf das Herz der jüdischen Dame, daß sie von da an Jesum suchte und in ihm hernach auch die einzige Zuflucht und Hoffnung des ewigen Lebens erkannte. — Eine junge Jüdin lernte das Nähen in einer christlichen Familie, und da sie in einem entfernten Theile der Stadt wohnte, so nahm sie ihr einfaches Mahl bei der genannten Familie. Wenn dieselbe sich aber zu Tische setzte, betete der Vater stets das bekannte Tischgebet: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheeret hast!" Das jüdische Mädchen, welches diese Worte täglich hörte, frag die Mutter, wer denn der Jesus wäre, der immer eingeladen würde und doch niemals käme? Natürlich erhielt sie keine befriedigende Antwort, so daß sie sich an ihre christliche Lehrmeisterin mit derselben Frage wandte, unter deren Leitung sie dann von Herzen gläubig war; sie ist hernach auch getauft worden, und Vater und Bruder sind ihrem Beispiele gefolgt. An einem gewissen Interesse für religiöse Gegenstände fehlt es aber auch den meisten der innerlich kaltherzigen und gleichgiltigen Juden nicht. Zumal, wenn ihnen die Sache unter anderem Namen und in geistreicher Weise entgegengebracht wird, hören sie gern über ein religiöses Thema sprechen. Dem Prof. Cassel in Berlin ist es besonders gegeben, durch mündliches und schriftliches Wort, in Predigten, Vorträgen und durch Schriften, welche die mannigfaltigsten Themata behandeln, Juden zu fesseln und zum Anhören seiner Worte zu bewegen. Da und dort aber trägt dann einer aus dieser Schaar, die nur einen geistigen Genuß besonderer Art für eine Stunde suchte, auch etwas Bleibendes davon; denn an Beispielen, daß dies in der That geschehen ist, fehlt es Gott Lob nicht. Allerdings aber hat das Evangelium überall eine solche Macht in sich, daß es durch sich selbst und nicht erst dann, wenn es mit be-

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