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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 11-12 (1878) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
11-12 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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180 talnmdisches Denken und Dichten beschränkt, sozial entwürdigt und völlig isolirt inmitten der übrigen Welt dahinlebend, hatte ihr ganzes Dasein eine gespenstische und todtenhafte Gestalt angenommen. Es erschien unmöglich, daß diese Todtengebeine noch einmal auflebten. Aber wenn sie nun, wie es seit Mendelssohn und dem Anfang der Emancipation in Nord-Amerika der Fall war, in die allgemeine Kultur ihrer Umgebung ausgenommen würden, so genügte auch ein halbes Jahrhundert, um sie nach ihrer ganzen äußeren und geistigen Art neu aufleben zu lassen. Sie hatten sich genug Kraft bewahrt, um sich das Kulturerbe der Völker bald anzueignen, und standen überraschend schnell selbst in den Reihen derer, welche nicht lediglich empfingen, sondern auch an ihrem Theile gaben, die moderne Kultur mit weiter entwickelten und beständig antrieben, dieselbe in noch höherem Maße zu entfalten. Das war gleichsam eine Todtenauferstehung, welche die Juden bei ihrem Eintreten in die moderne Kultnr feierten; und je überraschender das Bild für sie selbst war, das sie erblickten, wenn sie ihre Vergangenheit mit dieser ihrer Gegenwart verglichen, desto mehr wurden sie in ihrem eigenen Urtheil hiervon übermannt, desto gewaltiger wurde ihre Selbstschätzung, desto stolzere Gedanken erwachten in ihnen über ihren eigenen Stamm. In dieser Verfassung nun befindet sich jetzt eben die Judenschaft überall, wo sie die neue Kulturgestalt angenommen hat und sich derselben auch bereits bewußt geworden ist. Gerade darum beginnt nun aber ihre gegenwärtige Religion recht eigentlich der Stammeskultus zu werden, und diese Periode wird so lange anhalten, bis der ganze Stamm in die moderne Kultur eingetreten sein wird. Da aber immer mehr Glieder des jüdischen Stammes in das moderne Leben werden hineingezogen werden, so wird dieser Stammeskultus sich auch noch stetig steigern. Kein Wunder, daß die Predigt des Evangeliums zunächst immer weniger Eindruck auf die große Masse unter den Juden macht, und daß wir sür's Erste mit der Thatsache zu rechnen haben, einem stetigen Rückschritte in dem Einfluß, den das Christenthum auf die Herzen der Juden ausüben wird, entgegenzugehn. Je mehr in einem Lande das moderne Judenthum sich ausbildet, desto geringer zunächst die Ernte, welche das Evangelium daselbst gewinnt. Jedoch einzelne Aehren reifen auch auf dem

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