Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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179 quicklich ist das Bild, welches das deutsche Judenthum zeigt, freilich nicht.. Religiöse Wärme und ein lebendiger Glaube sind in demselben eine überaus seltene Erscheinung, vielmehr haben hier religiöse Gleichgültigkeit und der krasseste Materialismus die weiteste Ausdehnung genommen; nichts desto weniger ist dasselbe von der Ueberzeugung durchdrungen, die höchste Blüthe des Menschenthums darzustellen. Das Judenthum wird unter den deutschen Juden ganz besonders als die Menschheitsreligion gefeiert, und das, obwohl man bei der Frage, was denn nun eigentlich Judenthum sei, in Verlegenheit geräth. Denn mit der Phrase, es sei das Bekenntniß zu dem einzig einen Gott, ist in der That noch nichts gesagt. Fragt man nämlich, was denn dieser einzig eine Gott sei, so lauten die Antworten unendlich verschieden; und beim Hinweise auf den einzigeinen Allah der Muhamedaner und den einzigeinen himmlischen Vater der rationalistischen Christen wie der Unitarier darf man es denn auch hören, daß die Hauptsache im modernen Judenthum der Glaube der heutigen Juden an ihren Stamm ist. Eine so starke Entleerung an wirklich religiösem Dehalt Me das moderne Judenthum hat wohl nur noch die antike Welt der Griechen und Römer in ihrer letzten Zeit aufzuweisen; in beiden Fällen ist aber das Wesentlichste der Religion ein politisches Moment geworden. In der römischen Religion feierte sich zuletzt das Römerthum selbst ausschließlich und allein; die römische Religion war geradewegs zu einem Kultus des römischen Wesens geworden; darum wurde sie trotz des völligen Unglaubens der Gebildeten auch sestgehalten, ja ihre Beobachtung zur unerläßlichen Pflicht gemacht. Genau dieselbe Entwickelung sehn wir das moderne Judenthum einschlagen. Ganz offenbar hält das Judenthum in unserer Zeit mehr als seit langer Zeit aus sich selbst; mit glühenderen Farben ist es vielleicht noch nie geschildert worden, und dies oft von in Wahrheit völlig ungläubigen Juden. Aber alle diese Erhebung des Judenthums bedeutet eben nur, daß die modernen Juden zu dem Kultus ihrer selbst oder ihres Stammes fortzuschreiten begonnen haben; die Selbstbewunderung und die Selbstanbetung dröhn ihr eigentlicher Gottesdienst und ihre eigentliche Religion zu werden. Erklärlich ist diese Entwickelung. Die Juden hatten Jahrhunderte lang dem allgemeinen Kulturleben serngestanden und waren von ihm ausgeschlossen worden. Aus ihr