Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 11-12 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554851--07075-2563080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 wahrnimmt. Je handgreiflicher dieses Fehlen ehrfurchtsvoller Andacht in den Gottesdiensten der Synagoge ist, desto auffallender muß den Juden der Geist des Gebetes und der Fürbitte sein, welcher die christlichen Kirchen erfüllt. Und so ist es denn auch kein Wunder, daß hernach so mancher Jude den Missionaren ein Geständniß dessen gethan hat, welch' einen Eindruck diese Gottesdienste auf ihn gemacht haben. An Feindschaft hat es allerdings auch nicht gefehlt. Insbesondere aber sprachen die Juden hernach viel von dem Edelsinn der Synagoge, die das Gut der ewigen Seligkeit auch denen zugestehe, die außerhalb ihres Kreises blieben. Aber desto mehr drängt sich nur die Frage aus, ob denn die Juden vor Allem ihrer eigenen ewigen Seligkeit gewiß sind? Giebt es denn irgend einen Juden, der sich nicht über sein eigenes Geschick jenseits des Grabes im tiefsten Dunkel befände? Eben dies haben auch die Missionare den Juden in ihren Zeugnissen vorgehalten, und etliche wenigstens haben sich dadurch auf die gefährliche Richtung des fortgeschrittenen Judenthums, welches die Frage der ewigen Seligkeit so leicht behandelt, Hinweisen lassen. 3. Kolland. Einen andern Charakter in mancher Beziehung trägt das Judenthum in Holland. Mehr als der dritte Theil der Juden dieses Landes wohnt in Amsterdam, nämlich 30,000 von im Ganzen 70,000. Im Haag befinden sich 4,500, die übrigen in etwa 90 Ortschaften vertheilt. Die holländischen Juden üben in ihrem Lande einen großen Einfluß aus; in etlichen Zweigen der Wissenschaft, in Handelsunternehmungen und in der Tagespresse stehen Juden an der Spitze; aber auch etliche Gewerke, insbesondere die Diamantschleiserei, sind fast ganz in ihren Händen. Dennoch herrscht unter ihnen vielfach Armuth; mehr als 13,000 Juden in Amsterdam find unterstützungsbedürftig. Das holländische Judenthum zeigt darin ein eigenthümliches Gepräge, daß sich hier noch heftiger als sonst im Westen und in der Mitte Europas der Rabbinismus gegen seinen Untergang wehrt. Freilich geht er auch in diesem Lande immer schneller seinem Ende entgegen, aber er ergiebt sich nicht ruhig in sein Schicksal, sondern entflammt noch öfters die Gemüther zum Fanatismus. Missionar Bloch ist schon oft persönlichen Angriffen nur mit Roth entgangen, während des letzten