Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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169 ihn zu seinen größten Dichtern. Seine Dichtungen athmen überall den Geist, des echten Christen,.des holländischen Patrioten und des edelsten Israeliten. Alle seine Geistes-Erzeugnisse sind solche, daß jeder Israelit sagen kann: „Das ist Fleisch von meinem Fleisch", aber ebenso auch ein jeder Christ dasselbe zu bezeugen vermag. Denn hier hat die innigste Vermählung des jüdischen mit dem christlichen Geiste stattgefunden. Das Gedicht „An den Wasserflüssen Babylons" z. B. wird in gleicher Weise innerlichst Juden wie Christen ergreifen. Das Gedicht „Hagar" bekundet den Sinn, der in aller Zeit und Geschichte und durch dieselbe hindurch den heiligen Gott schreiten sieht, der alle Dinge zu seinem Ziel und zur Aufrichtung seines Reiches führt. Aber gerade in solchen Früchten, welche der Glaube an Christum auf dem jüdischen Acker erzeugt, wird es auch recht offenbar, daß Israels Vollendung allein und wahrhaftig durch Jesum geschieht. Die Uebersetzung ist meisterhaft; man meint, alle diese Dichtungen seien ursprünglich deutsch abgesaßt. Als Probe folge jenes Gedicht „An den Wasserflüssen Babylons": An Babels Wassern sink' ich nieder; Ich denk' an Zion, tiefbeschwert: Jerusalem, vergesst ich dein je wieder. Auch meiner rechten Hand vergessen werd'! Man heischet frech trotz meiner Bande Ein Lied von mir im fremden Lande; Wie? Kann's ein lautes Festlied sein? Ein Siegespsalm, dem Herrn zum Preise? Des Pilgerpsalmes heil'ge Weise? -- Wein', Tochter Zion, wein'! Auch ich Hab' frische Kraft gesuchet Und neue Lust in Babels Stadt. Jetzt in der Noth sei meiner Sünd' gefluchet. Die meinem Stamme mich entfremdet hat! Ach, meinem Gott nicht treu geblieben, Hab' ich der Feindin mich verschrieben; Nun steht die hohe Palm' — entlaubt! Verbrannt sind meine Tempelwände, In Ketten eingeschnürt die Hände;— Birg, Sängerin, dein Haupt!