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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Ein Gewaltdogma wird aber einmal aufgerichtet, und zu dem ersten kommt ein zweites: „Damit man nicht auch sog. Unitarier und rationalistische Christen und Muhamedaner und Anhänger des indischen Brahma Somadj unter den Begriff Juden bringe, wird als zweite Fundamentallehre u. als eigentlich charakteristische Unterscheidungslehre des Judenthums der Satz aufgestellt, daß Israel das erkorne Bundesvolk sei, erwählt, um durch alle Zeiten Zeugnitz davon abzulegen, datz der Ewige allein Gott ist, und daß es außer ihm keinen Erlöser giebt." Da wäre es denn heraus, was eigentlich Judmthum ist! Zunächst fühlt es Dr. F. selbst, daß also nun doch auch im Judenthum keine Dogmenfreiheit existirt, wenn „der Monotheismus und die Erwähltheit Israels" durchaus geglaubt werden müssen. Er sucht deshalb um das unangenehme Wort „glanben" herumzukommen, und nennt jene zwei Sätze Wahrheiten oder Lehren, welche das Lebenselement des Judenthums bilden. Als ob mit solchem Wortspiele an der Sache selbst etwas geändert würde! Dr. F. merkt denn auch ganz gut, daß er 2 Dogmen behalten hat. Und nun — das ist charakteristisch dafür, wie unsre jüdischen Theologen fast alle ihre Sachen führen — sagt er frischweg: „Wenn man durchaus diese beiden Wahrheiten als Dogmen bezeichnen will — gut!" Das Ergebniß ist also: Das Judenthum hat zwei Dogmen oder Wahrheiten, die durchaus geglaubt oder festgehalten werden müssen — und doch vollkommene Dogmenfreiheit. Das heißt also: Schwarz ist nicht weiß, aber schwarz ist doch weiß. Aber nun weiter. Zu Vorstellungen über das, was positiv Gott ist, erklärt Dr. F. — und dasselbe liest man ebenso bei den meisten modernen Juden — ist den Bekennern der jüdischen Lehre ein ungemein weiter Raum gegeben; nur muß ein Gott überhaupt angenommen werden. Deutsch gesagt hätte dieses erste Dogma es also mit einem Nebelbilde zu thun, das Niemand bestimmen kann; und da jede Religion es mit einer Gottheit zu thun hat, so könnte im Grunde genommen jede Gottheit für das Judenthum passen; für allerlei Vorstellungen ist ja nach Dr. F's. Erklärung Raum da, und nur einzuräumen, daß es eine, nur eine Gottheit giebt. Die meisten gebildeten Heiden von den alten Griechen und Römern an denken auch nicht anders.

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