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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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IM Christo und seinem Evangelium begegnen wir überall auf dem weiten Erdenrund, überall hören wir ihre Stimme-, welche zu Jehovah ruft — aber welches Volk hört sich durch die Juden zu ihm gerufen und geladen? Am Liebsten thut man nun freilich, wenn diese Fragen aufgeworfen werden, als Hütte man sie gar nicht gehört; man versucht sie gern todtzuschweigen, als ob sie damit aus der Welt geschafft würden; oder man macht vor der Welt einen solchen Lärm mit dem Selbstrühmen und Sichselbstvergöttern, daß diese es vergessen soll, so zu fragen. Doch das alles hilft nichts, und da oder dort fühlt selbst einer der jüdischen Wortführer, daß man der Frage nicht aus dem Wege gehn kann. So hat der bekannte Rabbiner Dr. B. Felsenthal aus Chikago in Amerika ein Büchlein geschrieben, welches in der Schletterschen Buchhandlung zu Breslau auch deutsch zu haben ist: „Zur Iroselyterrfrage im Iudenthum", welches immerhin merkwürdig ist; merkwürdig nämlich einmal dadurch, daß es die Frage nicht kurzer Hand abweist, sondern auf dieselbe ganz bestimmt eingeht, und zweitens durch die Antwort, die es gegeben hat. Ein Rabbi Spitz in Mlwaukee hatte sich an Rabbi vr. Felsenthal mit der Bitte gewandt, ihm ein Gutachten darüber zu geben, ob er einen Christen, der sich bei ihm zur Aufnahme gemeldet, aber sich die Unterlassung der Beschneidung ausbedungen hatte, wohl als Proselyten ausnehmen dürfe? u. s. w. Dr. Felsenthal antwortete ihm, daß zuerst die Vorfrage erledigt werden müsse, ob das Judenthum überhaupt Zuwachs durch Proselyten wünsche? Dies, sagt Rabbi F., muß natürlich trotz Aller, die es verneinen, bejaht werden, wenn man daran festhält, daß das Judenthum zur Weltreligion berufen sei.. Der messianische Beruf Israels fordere, die jüdisch-nationalen Schranken fallen zu lassen. Jedenfalls wolle die ganze Schrift des Alten Testamentes, daß alle Völker in den Besitz der religiösen Wahrheit Israels gelangten; ansehnlich genug sei auch die Zahl der in der Schrift genannten Proselyten. In den Makkabäischen Zeiten aber habe selbst eine gewaltsame Bekehrung von Heiden zum Judenthum stattgefunden, und in den Tagen des Römer-Reichs habe man in allen Theilen desselben Proselyten zu gewinnen sich bemüht.

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