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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Man hat den Juden, die von ihrem Abscheu gegen das sogen. Proselytenmachen redeten, stets das Geheimniß verrathen, welches ihren Worten und ihrem Verhalten in diesem Stücke zu Grunde liegt; man hat ihnen gesagt, daß jedes Feuer brenne, daß ihre Weltreligionsgedanken eben daher nur eine gemalte Flamme seien, ohne lebendige Gluth und Kraft und innere Wahrheit; man hat ihnen das Beispiel ihrer Väter von Mosis und der Propheten bis zu Christi Tagen hin vorgehalten, die sich darum zereifert und zerarbeitet haben, daß nur der wahre Glaube und der Gehorsam gegen Jehovah allein unter ihrem Volke und unter den Völkern, zu denen sie sonst etwa gesandt wurden, wie Jonas nach Niniveh, herrschen möchte — und das alles ist jenen Lobrednern des Judenthums immer sehr unangenehm zu hören gewesen. Sie wandten sich hin und her; sie disputirten mit allen möglichen Gründen und in den mannigfaltigsten Wendungen, aber die Thatsache ließ sich nicht umstoßen, daß die sogenannten Vertreter der allgemeinen Weltreligion mit der Welt um alles Mögliche handelten, nur nicht um ihr höchstes Gut, und nicht um das, was doch (nach jüdischer Meinung) ihren besonderen Beruf und eigentlichen Zweck vor allen Andern auf Erden ausmachen sollte! Ach, wie so gar entsetzlich viel haben sich die Juden seit Christi Tagen um das Geld eines Volkes nach dem andern gekümmert, wie so eifrig auch seit Mendelssohn um deren Bildung, ihre Politik, ihre Ehren, ihre Literatur u. s. w.! — und nun um ihre Religion? Was hat das Religionsvolk in der Religionsfrage unter den Völkern seit 1800 Jahren gethan? Wohlgemerkt, nicht blos für sich selbst, sondern unter den Andern und für sie? Dem Christenthum und der christlichen Kirche hat es keine Ruhe gelassen, ihren religiösen Schatz in die ganze Welt hinauszutragen, auch wenn die Boten und Prediger, die das thaten, dafür ihr Leben lassen mußten. Von den Juden erzählt die Geschichte seit Christo fast nur, daß sie mit den Völkern über der Frage vom Mein und Dein in tausendfachen und blutigen Streit geriethen. Unsre jüdischen Wortführer erklären, daß die Juden der Knecht, der Zeuge und Prediger Gottes unter den Völkern seien, von dem Jesaia in seinen Kapiteln vom 40. an redet. Wo ist nun dieser Prediger 1800 Jahre lang thätig gewesen? wo hat er sich heisch geredet? wo hat er vor den Ungläubigen und Gläubigen seine Predigt gethan?

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