Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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161 der christlichen Religion, und ob er denn ohne Zweifel glaube, daß Jesus Christus wahrer Gott sei? Leberecht brach darüber in die Worte aus: „Ich muß es bekennen, wenn mir irgend eine Kreatur die Angst wegen meiner Sünden und über den Verlust meiner Seele Hütte wegnehmen können, so hätte ich sie angebetet. Nun aber konnte es Niemand, selbst kein Mensch, als dieser gekreuzigte Jesus. Da hat er seine Gottheit an mir bewiesen. Folglich bete ich ihn mit Recht als meinen wahren Gott und Heiland an." Darauf wurde er entlassen. Bei seinem Herausgehn aber sagte der vornehme Herr zu seinem Gast: „Nun hören Sie, so muß Ihnen denn ein gewesener Jude es sagen, was Sie von Christen nicht glauben wollen". Ein ander Mal hörte er, daß die beiden Prediger seiner Kirche zwei jüdische Jünglinge zum Unterricht angenommen hätten. Leberecht suchte dieselben auf. Er merkte es einem derselben aber bald an, daß er keine lauteren Absichten habe. Dagegen ging er zu dem Geistlichen, welcher den andern unterrichtete, und sprach zu ihm unter Freudenthränen: „Hören Sie, Herr Prediger, Ihrem Juden sehe ich es an, dem ist es um seine Seele zu thun. Gott gebe, daß Sie Freude an ihm erleben!" Und es hat sich Hernachmals bestätigt, daß Leberecht über Beide recht geurtheilt hatte. Als er in den letzten Lebensjahren seinen Arbeiten nicht mehr wie früher obliegen konnte, hielt er eine kleine Schule von 8—10 Kindern, die er nach seinen Kräften mit aller Treue unterrichtete und sie insonderheit zu Christo zu führen suchte. Sein Leiden, die Wassersucht, trug er mit großer Ergebung unter allen Schmerzen. Zuletzt ließ er noch einmal beim Genuß des Abendmahls in seiner Beichte den eigenen Lebenslauf vor seinen Augen vorübergehn und pries mit Lob und Dank den Gott, welcher ihm nicht eher Ruhe gelassen, als bis er den Heiland hatte kennen gelernt, der alle seine Sünde getragen. So schlief er, fast 70 Jahr alt, am 13. Novbr. 1776 gar sanft und still ein. Er hinterließ eine Wittwe und einen Sohn. Der alte Bericht, dem wir diese Geschichte entnommen haben (das 26. Stück der Callenberg'schen Relation vom Jahre 1744 und der 7. Band der Beherrschen Berichte über die Halle'sche Mission vom Jahre 1783), schließt mit dem Liederverse, den auch wir gern hinzufügen: