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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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15» „Ja, wenn Ihr an Jesum Christum glauben woL!" Es war gerade der Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti 1742, Herz folgte dem Pfarrer in die Kirche und hörte ihn über die Erscheinungen des auferstandenen Heilandes predigen. Aber in der großen Angst seines Herzens, die sich auch äußerlich kund gab, verstand er von der Predigt nichts, als was von Thomas gesagt war. Am andern Tage schickte ihn der Pfarrer zu einem Geistlichen in Heiligenbeil, der ihm den Spruch 5. Mose 22, 26: „Verflucht ist, der nicht hält alle Gebote des Gesetzes!" in der hebräischen Bibel zeigte und hierdurch Herz so erschreckte, daß derselbe fast in Ohnmacht fiel. Der Heiligenbeiler Pastor Widerrieth darauf dem Pfarrer Schumann, sich mit dem Juden einzulassen, aber Pfarrer Schumann behielt ihn trotzdem im Hause, 1% Jahr lang, lehrte ihn Deutsch lesen und unterrichtete ihn im christlichen Glauben. Doch die Unruhe des Juden blieb dieselbe wie früher. Es kam soweit, daß er sich einmal auf der Stube, da er allein war, einen Strick um den Hals legte und auf einen Stuhl stieg, um sich oben am Balken aufzuhängen. Der Stuhl fiel um, der Pfarrer hörte ihn fallen, das Geräusch rief ihn herauf, er öffnete die Thür — da sähe er seinen Katechumenen mit dem Stricke um den Hals! — Sogleich fiel er mit diesem auf die Kniee und rief den Herrn unter Thränen an, sich dieses verlorenen Schafes vom Hause Israel zu erbarmen. Er brauchte dabei den Ausdruck: er könne dem Herrn Jesu nicht eher von der Stelle gehen, als bis er ihn erhört hätte. Darauf sang er: Stärk' ihn mit Deinem Freudengeift, Wasch' ihn mit Deinem Todesschweiß u. s. w. und über diesen Worten kam eine selige Stille und Gnadenversicherung in das Herz des armen Juden; aber getauft wollte er erst werden, wenn er bleibend innerlich ruhig geworden wäre. So ging die Zeit bis Pfingsten 1744 dahin. In der Predigt über Apostelgeschichte 3, 15: „Aber den Fürsten des Lebens habt ihr getödtet u. s. w." zeigte Pfarrer Schumann, daß, obgleich die Juden Christum getödtet, dennoch auch über sie das Heil Gottes gekommen sei. Da kam in das Herz des Katechumenen die sichere Gewißheit, daß er sich taufen lassen könne. Cr ging nun zum Pfarrer. Derselbe hatte cs ihm sogleich Anfangs vorgestellt, wie schlecht es vielfach mit den getauften Christen stehe, und so bat 11*

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