Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Eindruck Hervox, daß er ihm die Hand gab, sobald er den christlichen. Boden betreten würde, sich taufen lassen zu wollen. Bald darauf starb Neumann in seinen Ketten, von vielen Schmerzen noch bis zuletzt heimgesucht. „Mich aber", so schreibt Herz selbst, „verfolgte seitdem der Schatten dieses seligen Menschen und schwebte mir stets vor Angen." Neumann war der Sohn eines Pastors in Sachsen, hatte aber zuerst seinen Eltern wenig Freude gemacht. Später erlernte er das Gewerbe eines Strumpfwebers und kam als solcher nach Schweidnitz in Schlesien. Hier wurde er von den Oesterreichern zum Soldatendienst gezwungen und nach Belgrad gebracht, wo er dann in die türkische Gefangenschaft gerieth. Sein Lebensschiff war also durch viele brandende Wogen gegangen, aber in dem Hafen der Gnade Christi hatte es Ruhe gefunden, sodaß es auch durch den letzten Sturm hindurch sicher zum bleibenden Port gelangte. Als nun Neumann gestorben war, mußte Herz den Leichnam desselben beerdigen, der Türke aber ließ ihm unter dem Vorwände, er habe den Gestorbenen umgebracht, 150 Stockschläge verabfolgen. Herz beklagte sich deßwegen beim Kadi und derselbe verfügte, er solle an einen andern Herrn verkauft werden. So kam er in den Besitz eines gewissen Hadschi Mustapha, der ihn zuletzt mit sich nach Smyrna nahm, wo er bis 1741 verblieb. In dieser Stadt aber schrieb Herz an die Juden derselben, sie möchten ihn doch loskaufen, und seine Bitte ward erhört. Zum Abschiede schenkte ihm sein Herr dann noch 16 Dukaten als Reisegeld. Die Juden schickten ihn nun nach Constantinopel, und er sollte nach ihrer Absicht dort bleiben, aber es trieb ihn nach Hause. Man gab ihm nach und entließ ihn, sodaß er. nun der Heimath zueilen konnte. Zuerst begab er sich nach Glogau, dann aber machte er sich auf, den Vater Neumann's in Sachsen aufzusuchen. Derselbe war bereits verstorben, seine Mutter dagegen lebte noch in Naumburg an der Saale und war voll Dankes, als sie die Nachricht vom seligen Sterbestündlein ihres Sohnes erhielt. Herz wanderte nun weiter, stets von dem Gedanken, Neumanns Religion zu suchen, bewegt. Unruhig wanderte er von Ort zu Ort, denn er glaubte nirgends das zu finden, was er suchte; zuletzt gab er die Hoffnung aus, so selig werden zu können, wie er es 11