Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Äbrahaut Herz, als Christ Christoph Leberecht. Wieder ist es ein Zeuge des Herrn aus Israel, dessen Gedächtniß die Callenberg'schen und Beyer'schen Berichte der alten Halleschen Mission ausbewahrt haben, und diesmal ein Schlesier, mit dem wir unsere Leser bekannt machen möchten; denn die Geschichte desselben ist eine besonders erweckliche und lehrreiche. Einem Leviten, Namens Moses Herz in Groß-Glogau wurde i. 1.1706 ein Sohn geboren, welcher den Namen Abraham Herz erhielt; auch Weißpfeiler hieß er als Jude. 18 Jahr alt verlor er Vater und Mutter. Die Verwandten sandten ihn hierauf nach Prag, daselbst zu studiren, und er blieb auf jener Hochschule des Judenthums 5 Jahre lang bis 1728. Nachdem er seine Studien Hierselbst beendet, kam er nach Nicolsburg in Mähren als Lehrer zu einem reichen Juden mit Namen Mosche Cohen und blieb bei demselben 3 Jahre. Darnach unterrichtete er weitere 3 Jahre die Kinder eines Juden Rachmetz in Preßburg und später die des Bruders jenes Mannes in Belgrad bis 1739. Belgrad wurde aber von den Türken erobert, und 8000 seiner Bewohner, unter denen auch Abraham Herz, in die Sklaverei verkauft. Ein Türke kaufte ihn und einen jungen deutschen lutherischen Christen Namens Neumann. Christ und Jude schlossen unter dem gemeinsamen Elende bald eine herzliche Freundschaft. Neumann sollte aber einmal in eine häßliche Sünde willigen, die ihm der Türke zumuthete. Als Neumann es nicht that, wurde er so barbarisch mißhandelt, daß sein Leib von Wunden völlig bedeckt war und er entsetzlich litt. Herz wurde darauf von dem Türken beauftragt, seinen Gefährten zur Nachgiebigkeit zu bewegen, aber der Leidende erklärte: „Ich kann meinen Herrn Jesum nicht so beleidigen, .sondern will lieber sterben als sündigen!" Zu Herz aber sprach er: „Bist du vom Volke Gottes, von den Juden, die sich rühmen, Gottes besonderes Volk zu sein, und willst mir zumuthen zu sündigen?" Die Worte gingen Abraham durch's Herz, daß er von Stund' ab unruhig und um seine Seligkeit bekümmert wurde. Dazu seufzte Neumann immer so inbrünstig zu Jesu, daß des Juden Seele hierdurch gerührt und zu einer herzlichen Liebe gegen diesen Christen bewegt wurde. Der Leidende redete überdem auch mit ebensoviel Ernst als Eifer zu dem Juden von seinem Glauben, und brachte dadurch auf diesen einen solchen