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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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151 solche zu wünschen, daß aber, da der Sabbath eben anbrach, für ihn nun zunächst die Zeit zu weiterem Gespräche verstrichen fei. Statt alles Anderen forderte man von ihm, nicht mehr den Sabbath mit den Juden zu halten. Das lehnte er, der ja eben noch Jude war, mit Recht ab, bat hingegen ihn zu einem ordentlichen Prediger zu führen. Man war endlich einsichtig genug, diesem Wunsche zu willfahren. Der Prediger war ein freundlicher, gelehrter und auch im Hebräischen wohlbewanderter Mann. Derselbe sorgte zunächst für sein Unterkommen. In einem stillen Gasthause einlogirt erlebte Mai eines Nachts ein starkes Gewitter. Da kam über ihn eine große Seelenangst, daß, wenn er nun sterben sollte, er nicht Jude, nicht Christ, ohne jegliche Gewißheit über sein künftiges Schicksal von hinnen fahren würde. Die Folge dieser Nacht war eine schwere Krankheit, in welcher seine Seele stets mit derselben Sorge erfüllt war. Als er wieder genesen, erbat sich ein Jude den Zutritt zu ihm; derselbe wurde jedoch abgeschlagen. Um dem Geplagten Ruhe zu schaffen, brachte man ihn in ein altes Kloster. Von hier aus durfte er täglich zweimal zum Unterrichte des Predigers gehen, und derselbe hat ihm schließlich den Frieden seiner Seele gebracht, sodaß er aus herzlicher Ueberzeugung um die Taufe bat. Seine jüdische Frau und Kinder verließen ihn, er selbst aber hielt treu aus und ist besonders manchem Proselyten ein treuer Seelenhelfer geworden. Das gesprochene und gedruckte, das gesungene und gedichtete Wort hat schließlich bei ihm reiche Frucht getragen. Ein achtjähriger jüdischer Knabe, Sohn eines hessischen Juden, spielte viel mit christlichen Kindern und gewann dieselben lieb. An einem Winterabend war er wieder mit diesen Kindern auf der Straße; da kam der Nachwächter vorüber und sang, nach alter Gewohnheit, einen Liedervers. Der jüdische Knabe sang den VerS nach: „Nun geht der Tag herunter, Die Nacht kommt nun herbei; Verzieh um Jesu Wunden Unsre Sünden, O milder Gott!" Diese Worte singend kam der Knabe in's elterliche Haus zurück. Als der Vater sie hörte, schlug er den Sohn sehr heftig.

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