Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS Derselbe entlief hieraus, vom Vater verfolgt, welcher ihn jedoch nicht einholen konnte. Den umherirrenden Knaben frug dann aber ein Student, warum er sich denn auf der Straße aufhalte und nicht nach Hause gehe? Der Knabe theilte dem Studenten mit, was geschehen war, und fügte hinzu: „Ich will kein Jude bleiben, sondern ein Christ werden!" Mitleidig nahm der Student Len Umherirrenden zu sich, damit ihm der Frost der Nacht nicht schade, und zeigte dann am nächsten Tage den Vorfall einem Geistlichen an. Derselbe legte die Sache der weltlichen Obrigkeit vor, welche hiervon der Judenschaft Meldung that und die Eltern mit dem Studenten und Knaben zusammen vor sich lud. Nachdem das geschehen, und die lügenhaften Beschuldigungen der Eltern als solche aufgedeckt waren, berichtete man den Fall an den Landesherrn. Bis zur Entscheidung desselben verblieb der Knabe bei dem Studenten, von welchem er durchaus nicht weichen wollte. In der Zwischenzeit nahm der Wirth des Studenten den Knaben zuweilen mit in die Kirche. Als die Juden dies merkten, paßten sie an einem Sonntage auf und versuchten den Knaben mit Gewalt an sich zu bringen. Wie der Sohn seinen Vater erblickte, fiel er dem Bürger zu Fuße, klammerte sich fest an denselben und schrie um Hilfe. Der Bürger rief seinerseits mit lauter Stimme „Gewalt, Gewalt!" Das zog einige Christen herbei, und die Juden flohen erschreckt. Hieraus wurde durch den Bürger eine Bittschrift bei dem Landesherrn eingereicht, daß er doch den Knaben unter seinen Schutz nehmen wolle, und des Geschehenen dabei Erwähnung gethan. Ein Proselyt wurde ersucht, mit dem Knaben, der selbst diese Bittschrift überreichen sollte, zum Landesherrn zu gehen. Das geschah auch. Zum Schlosse hinaufgehend erblickte der Knabe seinen Vater und schmiegte sich deshalb ängstlich an seinen Begleiter. Der Vater hatte es erfahren, daß die Beiden diesen Weg machen wollten. So fanden diese denn auch, als sie in das Schloß traten, die Mutter des Knaben bereits im fürstlichen Vorgemach; sie hatte eine Audienz erbeten. Man ließ die Frau vor, und fußfällig bat dieselbe den Fürsten um ihr Kind, das man ihr gestohlen habe. Aber während sie hier noch weinte und schrie, drängte sich der weinende Knabe zum Landesherrn und überreichte seine Bittschrift. Beide Theile durften nunmehr selbst ihre Klage vor-