Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ISO Ein ihm bekannter Christ führte ihn zn einem Geistlichen, der nach den Auseinandersetzungen des Mai forderte, derselbe sollte sein Verlangen, im christlichen Glauben unterrichtet zu werden, schriftlich aussprechen. Dies geschah. Der Prediger überreichte das Schriftstück der Obrigkeit, und diese entschied, „wenn der Jude unterrichtet werden wolle, um getauft zu werden, solle er es können; mit den Predigern zu disputiren, könne ihm aber nicht gestattet werden". Doch Mai zeigte, wie unbillig ein solches Verlangen sei, und man setzte daher einen Tag fest, an dem er sich über Glaubenssachen nach allem Wunsche aussprechen sollte. Der bestimmte Tag erschien. Jetzt aber empfand Mai in seiner Seele einen tiefen Widerwillen dagegen, zu einem solchen Gespräch sich zu begeben. Doch raffte er sich auf und ging. Unterwegs wurde er Zeuge dessen, wie ein Proselyt einen Juden im Gespräche überwand; da hatte er nun selbst auch besseren Muth. Aber über dem Zuhören hatte er sich verspätet, und nur die Freundlichkeit eines auf dem Felde ackernden Christen, dem er seine Sache mittheilte und der ihm sein Pferd lieh, verhalf ihm dazu, daß er rechtzeitig an dem Ort der Bestimmung anlangte. Am Thore wurde ihm jedoch gesagt, das Gespräch sei aufgeschoben worden, weil andere Pflichten zu erledigen waren. Betrübt ritt er kn das Dorf des Bauern, der ihm das Pferd geliehen. Hier lauerten bereits Juden auf ihn, und nur der treuen christlichen Wirthin hatte er es zu danken, daß er ihnen entkam. Innerlich zerrissen brach er des Morgens 3 Uhr auf, er wußte selbst nicht, was nun thun? So kam er bis zu einem Baume, in dessen Nähe er plötzlich in seinem Herzen die Stimme hörte: „Halt, besinne dich recht!" Da ist er denn wieder umgekehrt und noch einmal zu der Stadt gegangen, in welcher an diesem Tage das Gespräch stattfinden sollte. Vor der Obrigkeit erschienen wurde er gefragt, was er wolle? Er antwortete: „nichts". Man wies ihm sein schriftliches Gesuch vor, er erkannte es als das seine. Daraus wurde er gefragt, ob er noch getauft werden wolle? Er entgegnete: „Ja, wenn ich überzeugt werden kann, wo nicht, bleibe ich ein Jude." So srug man ihn denn, ob er den jüdischen Glauben vertheidigen könne. Er bejahte dies entschieden. Man legte ihm aber den 110. Psalm vor und forderte seine Erklärung desselben. Er bekannte, selbst eine