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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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149 ein, um von der Frau den Chumesch zu borgen; diese verwechselte denselben mit dem Neuen Testament und überreichte das Buch dem Bittenden. Als Jener aber einen Blick hineingethan, rief er entsetzt aus: „Behüte Gott, was ist das für ein verfluchtes Buch voll fremden Gottesdienstes; das muß ich mitnehmen und dem Rabbi zeigen!" Die Frau wehrte ihm das in großer Angst und Sorge, sodaß nun eben das Neue Testament bei ihr blieb; der Jude aber rief ihr zu, er werde sie schon belangen! Den von der Reise zurückkehrenden Mann frug die Frau natürlich sogleich, was das für ein Buch sei? und erhielt zur Antwort: „Ein Geschichtenbuch". Aber hieranf erzählte die Frau, was sie mit demselben erlebt habe. Ihr Mann erklärte es deshalb für das Eigenthum des Goldschmiedes und erlangte es von diesem auch, daß er das Buch in Verwahrung nahm. Am folgenden Tage wurde er vor den Rabbi gefordert, er entschuldigte sich aber und ging in Handelsgeschäften nach einem andern Ort. Dasselbe that er zu wiederholten Malen. Endlich wurde er bei Strafe des Bannes am Sabbath sich zu stellen aufgefordert. Um der Familie den Schimpf zu sparen, ging er jetzt. Auf die Frage, was für ein Buch er gelesen habe, antwortete er: „Das Neue Testament, welches ich gelesen, damit ich sehen möge, was die Christen doch von ihrem Jesus oder Messias vorgeben". Unter schändlichen Fluchworten frug ihn dann aber der Rabbi, ob das Buch sein eigen sei? Bange hierdurch geworden antwortete er: „Das Buch mag mein sein oder es nicht sein, jedesfalls habe ich es nicht mehr!" Der Rabbi verlangte jedoch unter Strafe des Bannes, ihm es herbeizuschaffen. Das wurde dem Juden zu viel, und er erklärte seinen Nachbarn, er werde, wenn es der Rabbi zu hoch treibe, die Sache bei der Obrigkeit anhängig machen. In Folge dessen verfuhr man gelinder mit ihm, sah ihn von nun an jedoch mit dem Verdachte an, daß er heimlich mit den Christen in Verbindung stehe. Kurze Zeit darauf starb sein Bruder, welcher das Amt eines Todtengräbers, das ein Ehrenamt unter den Juden ist, bekleidete; ihm aber, der verdächtig war, wurde nunmehr dasselbe nicht übertragen, während dies sonst geschehen wäre. Hierüber ergrimmt beschloß er, sich jetzt gewiß an die Christen zu wenden; mehr der Verdruß als die Liebe zum Glauben bestimmten ihn damals einen solchen Schritt zu thun.

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