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Dibre Emeth · 1878-01-01 · 9-10 (1878) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
34 (1878)
Issue
9-10 (1878)
Date
1878-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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christlichen Lieder, welche sie in der Kirche und bei Leichenbegängnissen gehört, hatten ihr schon früh den Gedanken, eine Christin zu werden, nahe gelegt und sie getrieben, den Umgang mit Christen zu suchen. Die Eltern aber hatten sie dafür hart gehalten, oft angebunden und ausgepeitscht und sie dann, als dies alles nicht half, früh verheirathet. Als Wittwe ließ sie sich aber nicht länger zurückhalten, ihres Herzens Wunsch auszuführen. Auch ein anderer Frankfurter Jude aus jener Zeit ist durch christliche Lieder zu dem Beschlüsse mit bestimmt worden, das Judenthum zu verlassen. Seine Eltern hatten aus ihm einen Rabbiner machen wollen, zu welchem Berufe er jedoch keine Neigung empfand. So wurde er ein Kaufmann, heirathete und wurde auch Vater. Die Christen zogen ihn an, und er verkehrte mit manchem derselben in vertraulicher Weise. Einmal kommt er zu einem Buchbinder und sieht unter den Papierschnitzeln bei demselben ein Blatt mit hebräischen Buchstaben. Das hebt er aus, neugierig, aus welchem Buche es wohl sein möge. Der Inhalt fesselt ihn, und der Buchbinder muß ihm alle noch vorhandenen Blätter des Buches sammeln; als er dieselben gesammelt hat, ergiebt es sich, daß es ein hebräisches Neues Testament ist. Darauf läßt er sich die geretteten Blätter in demselben Einbande wie seinen Chumesch (fünf Bücher Mosis) einbinden und liest fortan fleißig darin. Der Frau, welche dies bemerkt und nach dem Buche frägt, bezeichnet er dasselbe als ein Geschichtenbuch. Ihm selbst nun gefiel das Buch Anfangs wyhl, als er aber zu den ersten Worten des Evangelium Johannis kam: ,>Jm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort", stutzte er. Deswegen ging er zu einem guten christlichen Freunde und besprach sich mit demselben über die Sache. Die Erklärungen dieses Mannes ermuthigten ihn weiter zu forschen, und besonders der Brief an die Ebräer beeinflußte seine Ueberzeugung bald. Nicht minder aber brachten seinen Entschluß Kirchenlieder zur Reise, die er unter seinen christlichen Freunden und auf Reisen oft singen hörte; er lauschte dann bei diesen Gesängen, zumal bei so manchem Abendliede, das er im Wirthshause hörte, und lernte eine Anzahl derselben sammt dem Vaterunser auswendig. Soweit gekommen traten nun aber für ihn die Prüfungszeiten ein. Im Hause des Wiederverreisten stellte sich einmal ein Jude

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