Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Bekanntschaft, die er mit Widmann gemacht, verarmte er; das schreckte ihn aber nicht ab, im Geistlichen weiterzuforschen. Im Gegentheil hat er seit jener Zeit nur desto mehr Acht auf die Lieder und Gebete der Christen gegeben. Für seine Entwickelung wurde besonders das Lied „Allein auf Gott setz' dein Vertrau'«, Aus Menschenhilf' darfst du nicht bau'n" von entscheidender Bedeutung. Als Lehrer hatte er früher stets die jüdischen Kinder mit höchster Sorgfalt unterrichtet und sie so lieb gehabt, daß er sie über den Steg, der über den Bach führte, welcher bei seinem Hause vorüberfloß, niemals allein gehn ließ; die Kinder waren ihm denn auch herzlichst zugethan. Kinder eines christlichen Bürgermeisters hinwiederum wurden nicht müde, einer Jüdin ihre Lieder vorzusingen und ihre Gebete vorzubeten, bis Beides in ihrer Seele zündete und ihr keine Ruhe im Judenthum ließ. Ihr stilles, ruhiges Gemüth und ihr redlicher Wandel als Christin waren dann die Freude ihrer Umgebung. Zehn Jahre lang blieb der Eindruck des Gesanges, den er ans dem Munde eines gottesfürchtigen Bürgers gehört hatte, in der Seele des Frankfurter Juden David Schwelm haften, bis er im Jahre 1732 vom Senior Münden in der Armen- und Waisenhauskirche getauft wurde; seitdem führte er den Namen Christian Friedrich Mai; ein Bruder desselben, Emanuel Jacob Mai, war schon früher getauft worden. Die Eltern und Verwandten hatten es wohl bemerkt, daß in der Seele David Schwelms so etwas vorging, und Alles versucht, ihn beim Judenthum zu erhalten. Als Vorstellungen nichts halfen, wurde er hart geschlagen, mit Einsperrung bedroht und ihm vorgehalten, er werde zeitlich elend und unglücklich und ewig verdammt werden, wenn er sich nur merken lassen würde, daß er die christliche Religion annehmen wolle. Man schickte ihn dann auf Reisen, von Frankfurt a. M. nach Amsterdam, von dort nach Hamburg, von" da nach Kopenhagen; aber die Töne, welche seine Seele erregt hatten, ließen sich nicht bannen, und nach Frankfurt zurückgekehrt, fand er zuletzt doch den Weg zur christlichen Kirche. Aehnlich ist die Geschichte einer jungen jüdischen Wittwe, welche in der Taufe den Namen Gottfriedin erhielt. Die schönen