Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Drum fahr' ich mit Freud' dahin. Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen die Dreieinigkeit." Ebendieselbe hatte schon als Kind stets die christlichen Leichen begleitet und die Sterbelieder mitgesungen, nicht minder aber den Trauungen in der Kirche beigewohnt und auch an den Gesängen, die sie hierbei vernommen, sich gefreut. Nachdem sie Deutsch schreiben und lesen gelernt, hat sie sich das Gesangbuch mit den Melodien fast vollständig eingeprägt. Es zog sie denn auch zu den Gottesdiensten der Kirche, und verstohlen hat sie sich oft genug in denselben eingefunden; aber die Juden verheiratheten sie schnell, um sie vom Uebertritt zurückzuhalten. Mit einem ihrer 5 Söhne hat sie dann nach dem Tode ihres Mannes Belehrung bei einem christlichen Prediger gesucht; der Sohn ist hernach auch Christ geworden, sie selbst dagegen hat man sogleich wieder verheirathet. Voll tiefen Schmerzes erzählte sie das alles selbst dem Missionar. Daß man auch allgemeiner unter den Juden die evangelischen Lieder schätzte, zeigt das Beispiel der jüdischen Druckerei in Jeßnitz, welche mehrere derselben zur Verbreitung unter den Juden druckte, z. B. „Wer nur den lieben Gott läßt walten". Bei Professor Callenberg in Halle meldete sich einst ein Jude mit Namen Pollack, der in Preuß. Minden durch den Gesang der Lieder und den Klang der Orgel in die Kirche hineingezogen wurde, und dem nach solcher Vorbereitung die Predigt durch's Herz ging, so daß er Christ zu werden beschloß. Zahlreich genug sind aber überhaupt die Beispiele der Bekehrungen von Juden, die auf das Kirchenlied zurückzuführen sind. In dem kurzen Zeitraum von 1729—1748 wird eine ganze Reihe solcher in den Callenbergschen Berichten, zum Theil mit den näheren Umständen derselben, erwähnt. Einem Juden in Barby dringt ein von den Milchmädchen allabendlich gesungenes Lied so in's Herz, daß er eben hierdurch zu Christo geführt wird. D. Heinrich Götze in Lübeck erzählt in seiner Liederpredigt, daß ein Jude durch den Gesang: „Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir" und eine Jüdin durch das Morgenlied: