Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 9-10 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Sohn des Pastor Müller (des Verfassers von „Licht am Abend"), ein gläubiger Arzt, auch betheiligt war. Missionar Manitius aber, welcher unter den Juden öfters jüdisch-deutsche Lieder fand, ließ es sich angelegen sein, geistliche Lieder in dieser Mundart für Missionszwecke abzufassen. Am allermeisten jedoch ist es dem eigentlichen evangelischen Kirchenliede gelungen, sich unter den Juden seinen Eingang zu verschaffen. Recht oft begegnet man der Kenntniß desselben in den Tagen der Mission aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Missionar Widmann erhielt wiederholt, wenn er von der rechten Art Opfer zu bringen redete, die Antwort aus dem Liede „Wach' auf, mein Herz, und singe": „Du willst ein Opfer haben; Hier bring' ich meine Gaben: Mein Weihrauch, Farrn und Widder Sind mein Gebet und Lieder"; während ein Anderer sich dem Gotte gegenüber, der ihn als Sünder habe geboren werden lassen, mit dem Verse tröstete: „Was Gott thut, das ist wohlgethan. Es bleibt gerecht sein Wille". Widmann und Manitius begegnen auf ihren Wanderungen einem Manne, der überall in den Wirthshäusern geistliche Lieder singt und dabei auch unter den Juden andächtige Zuhörer findet. „An Wasserflüssen Babylon" und „Nun danket Alle Gott" hören dieselben besonders gern. Andere lassen es sich wohl gefallen, wenn sie Widmann aus dem Gesangbuch, z. B. unter Zugrundelegung des Liedes: „Ich armer Sünder komm' zu Dir Mit demüthigen Geberden", unterrichtet. In Manchen wirkt der Einfluß dieser Lieder unaufhörlich fort, so daß sie dieselben nicht vergessen können, sondern sie stets von Neuem wiederholen. Eine bereits angeregte Jüdin singt in Gegenwart von Widmann und mit demselben: „Meinen Jesum lass' ich nicht" und „Nun freut euch, lieben Christeng'mein". Sobald ihre Sünden sie ängstigen, wiederholt sie sich die Worte aus „Alle Menschen müssen sterben": „Jesus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben.