Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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138 dem heiligen Gott erscheinen, bringt sie zum Weinen." „Jawohl", lautete die Antwort, „es verhält sich also, auch eure Frömmsten müssen weinen, daß sie mit Sünde bedeckt vor dem Gott erscheinen, der Keinen in seiner Sünde vor sich duldet; wir aber treten vor .ihn im Hellen Gewände, das Christus uns angezogen, und darum fürchten wir uns nicht, sondern freuen uns; unser Todestag ist ein Siegestag!" Mit wirklich rührender Herzlichkeit nahmen sie dann von mir Abschied; Mehrere derselben hatten wieder ein Billet zweiter Klasse nehmen wollen, um mit uns zu fahren, aber unser Weg führte uns nach einer andern Richtung hin. 39. Keimende Saat. Durch die Schaar der Zuhörer hatte sich auf der Station ein Jude gedrängt, der mich nur fragte: „Reisen Sie zweiter oder dritter Klasse?" und dann um die Erlaubniß bat, wenn er sich ein Gleiches derselben Klasse nachlöste, mit uns bis P. fahren zu dürfen. Als der Zug abgehn wollte, stellte er sich denn auch bei uns ein. Dieser liebe Mensch, ein Kaufmann, hatte verschiedene unserer Gespräche in M. mit angehört und wollte nun gern dieselben mit uns sortsetzen. Von Jugend auf in verschiedener Weise christlich angeregt, hat er das in sein Herz gestreute Samenkorn nicht erstickt, und er selbst weiß noch nicht, ob er einmal als Jude sterben wird. So reichten wir ihm denn aus dem Gottesworte dar, was ihm zur Selbsterkenntniß und zur Erwählung des rechten Weges dienlich sein konnte, er selbst aber nahm Alles kindlich auf. Mit großem Ernst besprach er die Zustände der ungarischen Juden: „Sehen Sie, unser Ungarn ist ein schönes Land, an allen Naturprodukten reich, aber sein Unglück sind seine Juden, die saugen die Bevölkerung aus. Ich habe es meinen Leuten oft gesagt, daß sie durch ihren nichtswürdigen Wucher das ganze Land verderben, aber stets dafür schlechten Dank geerntet. Darum werden die Verfolgungen unfehlbar wiederkommen und wieder, wie in allen früheren Zeiten, nicht wegen der Religion, sondern wegen des Wuchers. Unsere Leute ziehn sich mit Gewalt das Verderben auf den Hals." In der Thal, dieser Mann fühlte etwas davon, daß die Sünde der Leute Verderben ist — und der Erlöser von allen Sünden wird ihm weiter helfen.