Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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189 40. Aücköück. Jüdische Kinder in der Missionsschule zu P., von vortrefflichen Lehrern im Evangelio Christi unterrichtet und Christum durch Wort und Lied bekennend und preisend — eine evangelische Gemeinde, in der viele Glieder die Züge des alten Bundesvolkes trugen, dem Rufe ausgezeichneter Diener am Worte lauschend — ein Krankenhaus, da ein Arzt jüdischer Abstammung seine Hände in Jesu Namen auf die Kranken legt — und dann wieder eine chasidische Gemeinde, die mit wilden Blicken den Christen, welcher sie unter ihrem Schreien und Toben während des Gottesdienstes aufsuchte, anschaute: das waren die letzten Bilder auf dieser Reise. Mit Israel geht es in unfern Tagen reißend schnell bergab: der frühere. Talmudglaube erstirbt zusehends in den Herzen, der Bibelglaube aber tritt nicht an seine Stelle — ganz erklärlich, denn der Kern und Stern desselben, Jesus Christus, wird noch heute verworfen. Man sucht sich an den Kulturschätzen der Gegenwart zu sättigen, aber darüber hat man den Geschmack an dem alten Glauben, der freilich auch nur etliche Tropfen von der Milch, dem Wein und dem Honig der Propheten enthielt, verloren. Was nun thun? Vielfach ist man frech und wild religionslos, vielfach aber wieder bange. Alles zu verlieren. Da greift man nach den Resten und Lumpen des zerrissenen Talmudmantels und bildet sich darüber ein, nicht bloß, sondern bekleidet einherzugehn. Die Fortschrittler, die Reformer, die Freigeister und die Orthodoxen der modernen Art haben allzumal noch keinen wirklichen und positiven Ersatz für das Alte gefunden, und so wissen sie sich schließlich keinen Rath, als eben von dem Alten nun doch Etliches zu borgen, damit man wenigstens Etwas habe. Aber hat sich jemals ein Volk mit einer todten Religion geschleppt, so sind es die heutigen Juden; der Glaube der Synagoge, wie er sich nach Christo und in der talmudischen Zeit gebildet, kämpft sichtlich seinen Todeskampf, nur werden die verschiedenen Glieder des Leibes nicht auf einmal, sondern nacheinander von den Zuckungen desselben ergriffen. Der Kranke schreit freilich noch wie in heftigen Fieberanfällen laut auf — niemals in der Geschichte war das Geschrei der Juden über ihren herrlichen Zustand größer — er wehrt sich mit großer Gewalt gegen das nahende Ende, aber das Kennerauge deutet diese Zeichen recht. Der Kranke ist weit entfernt, sich in sein Schicksal zu ergeben, aber all sein Ringen ist