Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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137 38. Der Hob prüft alle Dinge. Nun sollte es nach P. gehn, und wir wunderten zum Bahnhofe hinaus. Daselbst hatten sich viele Juden versammelt; kaum meiner ansichtig geworden, bestürmten mich dieselben mit ihren Fragen. Ein Gemeindevorsteher, dem sein Sohn von den Gesprächen, welche er mit angehört hatte, erzählt, führte diesmal den Reigen. Zunächst sprach er seine Freude darüber aus, mich kennen lernen zu dürfen, frug mich dann aber in's Geheim, ob ich denn nicht geborner Jude sei? denn für einen Nichtjuden verstünde ich doch zu viel hebräisch; — er hatte nämlich sehr bald Vater Davids Gewissen mahnende Worte in der Ursprache von mir vernehmen müssen. Ueber diesen Punkt ließ er sich beruhigen, nun aber begann er ein ganzes Heer von Fragen aufzustellen. Ich wollte meine Antworten gern für Viele geben und sprach darum ziemlich laut. Der Zweck war auch schnell erreicht, denn wohl alle Juden auf der Station, und es war eine ansehnliche Zahl derselben gerade anwesend, traten herzu, hinter ihnen aber faßten einige katholische Priester Posto. Da wollte ich gern beiden Theilen das Evangelium predigen und legte darum ein Zeugniß von der einzigen Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, von der Gerechtigkeit allein durch den Glauben cm Christum, ab. Jener jüdische Vorsteher wollte jedoch den Ruhm des Judenthums nicht preisgeben. Deshalb hielt ich ihm denn vor: Der Tod prüft alle Dinge. Wenn ihr Juden euch Zeit eures Lebens selbst bis zum Himmel erhoben habt und ihr nun an den Gräbern der Eurigen steht, dann sieht man bei euch nichts als Schreien und Heulen. Trotz alles eures Selbstrühmens habt ihr eben doch keine Gewißheit, wie ihr aus dem Dunkel des Grabes herauskommen und die Ewigkeit im hellen Lichte zubringen könnt. Fromme Christen weinen auch an den Gräbern der Ihrigen, aber durch den Wolkenschleier ihrer Thränen bricht die Sonne des auferstandenen Jesus Christus. Der steht über dem Grabe vor ihnen und bringt ihnen sein Feierkleid, den Rock seiner Gerechtigkeit, an dem kein Makel zu finden ist, entgegen, damit er sie in dasselbe einhülle und sie so zum Vater führe. Also tröstet Jesus Christus die Seinen. Der Hauptsprecher der Juden wollte sich noch nicht ergeben, sondern entgegnete: „Unsre frömmsten Leute sind eben so demüthig, daß sie es sich eingestehn, auch sie haben noch Sünde, und der Gedanke, daß sie mit derselben vor