Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554849--07031-2563034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
185 sein, er wolle auch sein Lob empfangen, auch von ihm „Gelobt sei Jesus Christus!" gegrüßt werden. DaS wies dieser Jude keineswegs ab, sondern entgegnete vielmehr: „Nun ja, gelobt ist er, und er ist der Gelobteste unter allen, die auf Erden gelobt werden!" Um so mehr ermahnte ich ihn jedoch, daß er sich nicht daran genügen lassen wolle, alle Welt Christi Lob aussprechen zu hören, sondern daß er sich selbst erheben und von Herzensgrund ihm Zurufen möge: „Du sollst mir gelobt sein von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Darauf reichten wir ihm die Hand und ihn bittend, daß er einst mit diesem Lobe auf den Lippen vor Christi Stuhl erscheinen möge, schieden wir von ihm. 36. Aeste Stützen. Nachmittags umgaben uns von Neuem dichte Schaaren von Juden. Einer, der bisher seine Kunst noch nicht an uns versucht hatte, erklärte, daß er seine Worte und Beweise besser als die Andern stützen wolle. „Wenn man eine Bank in der Mitte, aber nicht auch an beiden Enden stützt, dann hält sie nichts aus", begann er seine Rede, aber ehe er weiter fortfahren konnte, rief ich ihm zu: „Da haben Sie ganz Recht. Ihr Juden stützt eure ganze Religion nur in der Mitte auf eine Person, wir Christen stützen sie auch an beiden Seiten durch den Sohn und h. Geist. Deshalb bricht eure Religion vor Aller Augen zusammen, die christliche aber bleibt bestehn." Damit hatte der Mann genug, er verzichtete auf eine weitere Entfaltung seiner Weisheit. Ein Mathematiker, welcher in die Fußtapfen des Verschwundenen trat, zog sich eben so schnell zurück, als er gebeten wurde, besser als die Coryphäen des Judenthums M. Mendelssohn und R. S. Hirsch den jüdischen Glauben durch mathematische Beweise zu stützen. Daß die Beweise solcher Männer keinen Eindruck gemacht hatten, nahm ihm den Muth, sein Licht überhaupt leuchten zu lassen. 37. Ach lasse dich nicht. Man rief uns in einen Klempnerladen hinein, in dem sich mehrere Juden mit dem jüdischen Meister unterhielten. Das Gespräch vcranlaßte mich, auf Saulus-Paulus hinzuweisen, der nach allem Arbeiten und Eifern um die eigene Gerechtigkeit und nach allem Wüthen gegen Christum und seine Gemeinde schließlich aus dem Gebote „Du sollst nicht begehren", sein eigenes Todesurtheil hörte.