Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Der Rabbi schwieg, und wir nahmen von ihm Abschied — innerlich offenbar nicht unberührt entließ er uns. 26. Russische Spione. Ein Jude, den Br. B. auf der Straße angeredet, und der durch seine Worte ein wenig außer Fassung gerathen war, hatte in seinem Grübeln über diese gefährlichen Leute endlich herausgebracht, daß wir wohl russische Spione sein müßten: der Schrecken der Schrecken in Ungarn. Aber dadurch waren nun die Juden der Stadt allgemeiner auf uns aufmerksamer geworden; sie wollten sich selbst überzeugen, wer wir denn wären, und eine ganze Anzahl derselben bat uns um ein Gespräch in einem Weinhause. Statt russischer Politik wurde aber hier nun freilich Reichsgottespolitik getrieben, und dieselbe zeigte die Geister nicht weniger in ihren Ansichten auseinandergehend. „Die Geburt Jesu von einer Jungfrau ist unmöglich", rief einer aus der Versammlung heraus, aber: „Nicht weniger unmöglich, als daß Adam aus Erde und Eva aus aus einer Rippe geschaffen sind", lautete die Antwort, die sofort durchschlug. Einer aus diesem Kreise sollte noch besonders das Zeugniß von Christo hören. Wir gingen am dunklen Abende ein wenig in die frische Luft, da begegneten wir dem Manne. Zur rechten Seite unseres Weges war eine alte Festungsmauer, welche denselben begrenzte, zur linken der rasch dahineilende Fluß, jenseits desselben Berge, bis zum Gipfel mit Wald bedeckt, und Alles so einsam, Alles so ernst, daß die äußere Umgebung die Seele ganz von selbst zur Stille mahnte. Wie es natürlich war, wurde dem Manne denn auch der heilige Ernst Gottes bezeugt und der nahe Lebensabend, dem die dunkle Todesnacht folgt, durch welche der stille Strom der Ewigkeit fließt. Was wird da aus uns werden? wie werden wir jene Zeit ohne Zeit zubringen? Christus allein kann uns sicher durch's Dunkel hindurchbringen, daß uns ein neuer Morgen und die Sonne eines unvergänglichen Lebens leuchtet, denn er ist gestorben und auferstanden! So lautete unser Zeugniß, und jener Mann gestand uns, daß auch sein jugendlicher Sohn zu ihm fortwährend von Christo spreche — er wisse gar nicht, wie er sich dessen recht erwehren solle.