Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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124 stellte, und was als nothwendigeS Ergebniß zu erwarten war; die Behauptungen der Propheten dagegen stellten sich in den geradesten Gegensatz zu Allein, was die menschliche Vernunft erwarten konnte. Kein Mensch konnte verständigerweise behaupten, daß ein aus Juda Kommender die ganze Welt bleibend an sich fesseln und sie für immer bestimmen werde; denn nach dem Zeugniß der Geschichte herrscht von der ältesten Zeit bis in unsere Tage hinein ein beständiger Konflikt zwischen den Juden und ihrer Umgebung; was von den Juden kam, hatte von jeher durchaus zunächst nur auf Widerspruch zu rechnen. Das mußte der Jude einräumen, und darauf, nachdem sich sein Verstand hatte beugen müssen, wurde seinem Herzen und Gewissen der Heiland gepredigt, welchem es gelungen ist, ein Herr über Alle zu werden. 25. Bei einem alten Uabbi. Kollege B. ermunterte mich, mit ihm den alten Ortsrabbiner von N. zu besuchen. Eine würdigere und schönere Erscheinung habe ich so leicht nicht gesehen. Der Zweck unseres Besuches wurde sreimüthig ausgesprochen; ich habe es von meinem Freunde gelernt, ohne Umschweife den Missionar auch als Missionar einzuführen, und habe erfahren, daß dies allerdings die beste Praxis ist. Das Gespräch mit dem Greise war denn auch schnell ein tiefergehenderes geworden, und derselbe erklärte, er wolle sich, da er es mit Leuten zu thun habe, welche die religiösen Fragen gründlich behandelten, über das Christenthum ohne Rückhalt aussprechen; dem gewöhnlichen Manne werde er seinen Glauben nicht zu nehmen versuchen, denn da alle Moral allein aus dem Glauben komme, würde er demselben mit seinem Christenglauben auch seine Moral nehmen; bei uns könne er Positives erreichen. Er selbst nun habe die ganze neuere Predigtliteratur der Evangelischen, ihre Dogmatik (er nannte ein Werk aus dem Anfänge des Jahrhunderts) und das neue Testament studirt, aber im Christenthum nur ein Lügensystem erkannt. Dasselbe behaupte, sich auf das Alte Testament zu stützen, widerspreche diesem aber durchgreifend und wäre sein völliges Gegentheil. Ein Beispiel könne dies beweisen. Jesaia, auf den sich die Kirche stets berufe, klage die Leute an, welche Schweinefleisch äßen, und das Christenthum erlaube dies doch. — Ich entgegnete dem Rabbi, daß freilich in den Tagen des Jesaia,