Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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116 wie wir geworden sind!" — und hierbei wurden ihm unsre Schriften überreicht, daß er aus dem Kelche derselben den süßen Wein trinken möchte, welcher unser Herz fröhlich gemacht hat. 16. Line Uatljanaelsseele. Das Gerücht, es sind Missionare im Orte, hat einen jungen Juden herbeigezogen, der seiner Zeit die Wiener Handelsakademie besucht hat und nun eine vortheilhaste Stellung bekleidet. In der Familie desselben sind schon mehrfach Uebertritte zur christlichen Kirche vorgekommen, und ihm selbst haben christliche Mitschüler des Oefteren in ihren Häusern aus dem N. T. vorgelesen. So hat er denn schon recht viele christliche Eindrücke empfangen, und er gesteht, daß ihn die religiösen Fragen fortwährend beschäftigen, ja daß er nicht wisse, ob er immer werde Jude bleiben können. Mein Kollege hatte ihm gesagt, das A. T. sei wie ein Wechsel, der Geld bedeute, auch wirklich den Werth von Geld habe und nur der Einlösung harre — nun aber sei dieselbe geschehen, und es gelte nur, den Betrag zu verwerthen. Diesen treffenden Vergleich führte ich nun weiter aus: Sogar die Zeit des Verfalls und der Auslösung dieses Wechsels ist im A. T. festgesetzt und ebenso die Münze, mit welcher bezahlt werden soll. Die Auslösung sollte in der Zeit des zweiten Tempels geschehen und muß darum vor dem Jahre der Zerstörung desselben stattgefunden haben. Die festgesetzte Münze aber ist das Blut des Lammes, das Bundesblut, durch welches alle Gefangenen aus der Grube erlöst werden sollen. — Das alles leuchtete dem jungen Manne ein, und er bat nur, ihm noch andere Fragen, die er selbst sich nicht habe erledigen können, zu beantworten. „Ist es irgendwo im N. T. direkt ausgesprochen, daß das A. T. und sein Gesetz aufgehoben seien?" Ich legte ihm Röm. 10, 4 vor: „Christus ist des Gesetzes Ende, wer an ihn glaubt, der ist gerecht." Da rief er aus: „Ja, das ist durchschlagend!" Er fügte nun aber hinzu, daß er gern wissen möchte, warum denn Gott zuerst so viele Gesetze gegeben habe, wenn er sie doch nachher wieder aufheben wollte? Da wurde ihm denn gesagt: Die Kinder Israel sollten an denselben lernen, daß Gott ihr gesammtes Leben, in den größten wie in den kleinsten Dingen, für sich fordere, und zweitens sollten sie an denselben die practische Erfahrung machen, wie es mit ihrer Liebe zu Gott stünde, denn